Münchens schöne Wirtshauskultur

Als ich 2014 nach München kam und meinen Job als Restaurantleitung in einer bekannten Münchner Großgastronomie begann, fand ich auch die Liebe zur bayerischen Wirtshauskultur. Dass mein Herz zu dieser Zeit bereits für das Gastgewerbe schlug und ich darauf brannte, neue Erfahrungen zu sammeln, um mich irgendwann einmal selbstständig machen zu können, ist das Eine. Was mich jedoch wirklich eingenommen hat war die Art, wie in Bayern gegessen, gefeiert und gelebt wird. Staunend verbrachte ich die ersten Wochen auf meiner Arbeit und lernte eine völlig neue Kultur kennen. Da bringen also Leute ihr eigenes Essen mit in den Biergarten? Und der Wirt duldet dies nicht nur, es ist sogar eine Tradition? Weißwurst gibt es nur bis 12 Uhr und das seit Jahrhunderten? Dieser Brauch stammt noch aus der Zeit, als man keine Möglichkeit der Kühlung hatte und somit vor dem Verderben schützen wollte. Ich lernte schnell, wie die Münchner so ihre Abende verbringen, dass dazu zwingend eine "Hoibe" und "a Brezn" gehören. Und ich verliebte mich unsterblich. In diese Art der Wirtshauskultur. Im Rest von Deutschland undenkbar. Und für mich mittlerweile nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken. Nicht nur von Berufswegen, sondern weil ich es selbst genieße, den Tag unter großen Kastanien im Biergarten ausklingen zu lassen oder beim Wirt unten in meinem Haus schnell mal ein Hendl zu essen. 

 

Umso trauriger ist es, dass Bayern seit 2006 rund 25 Prozent seiner Schankwirtschaften verloren hat. Auch wenn die Tourismusbranche wächst und die großen Hotelbetriebe davon profitieren, so ist es für die kleinen Gaststätten mehr und mehr ein Überlebenskampf in Zeiten von tripadvisor, bookatable und CO. geworden. Immer mehr Schankwirtschaften verschwinden und werden durch Einkaufsmöglichkeiten oder hippe Burgerläden ersetzt. Dabei ist gerade die Münchner Lebensart etwas, was in der typischen Wirtschaft gelebt wird. Hier gibt es noch Stammtische, traditionelle Küche und echte bayerische Werte wie anno dazumal. Etwas was mich, damals als ich nach München kam, sofort eingenommen hat. Weil man es bundesweit vergebens sucht.

Wer erinnert sich nicht an Meister Eder von Pumuckl? Einer der ersten Eindrücke, die ich von einem Wirtshaus in München hatte. Und so soll es bleiben. 2018, 2028, 2038.

 

Und auch wenn mein Beitrag nur ein sehr kleiner sein wird, nämlich dass ich an dieser Stelle künftig echte Münchner Tradititonshäuser vorstelle, so erhoffe ich mir, dass man den Wert dieser Betriebe schätzt. Dass man weitersagt, ausprobiert und wiederkommt. Und auch das Umland kommt nicht zu kurz, versprochen. 

Für die Münchner Wirtshauskultur. Aus tiefer Liebe zur Gastronomie und zur bayerischen Lebensart.