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Wie ist es, mit Ende Zwanzig die Diagnose Brustkrebs zu bekommen

Caro vor ihrer Erkrankung

 

Caro wohnt in Hamburg und ist eine ganz normale junge Frau Ende Zwanzig. Sie liebt Mode, schminkt sich gerne und geniesst die Zeit mit ihren Freuden. Als sie im November 2017 die Diagnose Brustkrebs bekommt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Und sie wird zur Löwin. Sie kämpft gegen die Krankheit, aber sie tut noch viel mehr. Sie setzt sich für die Enttabuisierung des Themas ein und nutzt ihren Instagram Kanal und ihren Blog (unbedingt vorbeischauen!) um ihre Leser mitzunehmen, auf ihrer Reise gegen den Krebs. Sie startet ein Krebstagebuch und dokumentiert die Höhen und Tiefen. Die Hoffnung aber auch die Hoffnungslosigkeit. 

Caro ist für mich eine wunderbare starke Frau, sie hatte nie eine andere Wahl als zu kämpfen. Aber sie hat es auf eine Art und Weise getan, die mir den höchsten Respekt abnötigt. 

 

Wie ist es die Diagnose Krebs als junger Mensch zu bekommen? Was ging damals in dir vor? 

Es ist einfach unreal. Das war ein Thema was für mich ganz ganz weit weg war. Krebs war für mich ein Thema mit dem man sich vielleicht ab 60 auseinandersetzt, aber doch garantiert nicht mit Ende 20. Deshalb habe ich all die Untersuchungen und Arzttermine erst einmal gar nicht so für voll genommen. Also ich dann zusammen mit meiner Mutter beim Radiologen saß und die Diagnose mitgeteilt bekommen habe, war das dann natürlich ein Schock. Meine kleine heile Welt brach zusammen und ich brauchte erst einmal etwas Zeit zu realisieren, was genau das nun für mich hieß. Es war ein komplettes Gefühlschaos.

 

Wir alle haben von einer Krebserkrankung eine Vorstellung: Chemo, Bestrahlung, Übelkeit und Glatze. 

Wie hat sich deine Vorstellung einer Krebserkrankung von der Realität unterschieden?

Haben wir alle eine feste Vorstellung von einer Krebstherapie? Ist das so? Ich glaube viele denken immer noch man kann den Krebs schnell mal wegschneiden oder „schnell“ mal eine Chemotherapie machen und dann ist alles wieder gut. Ein Stück weit war ich auch so naiv bzw. hatte die Hoffnung, dass das so einfach wäre. Aber dem ist leider nicht so. Ich war nun genau 1 Jahr lang in der Krebstherapie und das schlaucht. 6 Monate Chemotherapie, 4 OPs und 6 Wochen Bestrahlung liegen hinter mir und nun folgen noch die ganzen Nachsorgeuntersuchungen so wie die Anti-Hormon-Therapie.

 

Hattest du Angst vor deiner ersten Chemotherapie? 

Oh ja. Man hat ja so vieles gehört oder gelesen und einfach wahnsinnigen Respekt davor. Ich hatte große Angst, dass ich die Chemo nicht gut vertragen würde und jeden Tag mit Übelkeit vor der Kloschüssel hängen würde. Dem war zum Glück nicht so. Mein Körper hat aber dennoch sehr darunter gelitten und war am Ende der Chemo wirklich sehr schwach und hatte kaum noch Energie. Und ich bin ja noch jung. Da möchte ich nicht wissen, wie es den älteren Herrschaften nach so einer Behandlung geht. (Anmerkung: Caro hat in der Zeit der Chemotherapie viel an ihrer Ernährung gedreht. Zum Beispiel ernährte sie sich prinzipiell einen Tag vor der Chemo vegan, weil es für sie zu einer besseren Verträglichkeit führt. Heute ernährt sich Caro hauptsächlich basisch und gibt dazu auf ihrem Blog viele Tipps.)

 

Inwieweit bestimmt der Krebs deinen Alltag oder bestimmst du den Krebs? 

Ich war schon immer ein Mensch der die Kontrolle geliebt hat. Am liebsten hätte ich schon mein ganzes Leben vorher geplant. Da hat mir der Krebs nun aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn der Krebs hat mein komplettes letztes Jahr bestimmt. Ich musste meine Arbeit erst einmal vorübergehend aufgeben, ich konnte nicht wie früher einfach mal mit meinen Freundinnen losziehen, ins Kino oder Feiern gehen und auch in den wohlverdienten Urlaub konnten mein Freund und ich dieses Jahr nicht fahren. Ich war die meiste Zeit zu Hause und konnte eigentlich nie wirklich planen, weil ich nie wirklich wusste wie es mir gehen würde und wie fit ich bin. Das geht natürlich sehr auf die Psyche und da ist man natürlich froh einen tollen Rückhalt im Familien- und Freundeskreis zu haben.

 

Was glaubst du, welche Rolle eine positive Einstellung bei einer so schweren Erkrankung wie Krebs, spielt? 

Eine sehr wichtige! Für mich gab es immer nur eine Option: Kämpfen und sich nicht hängen zu lassen. Ich habe probiert mein Lächeln nicht zu verlieren und immer noch die positiven Dinge im Leben zu sehen. In Selbstmitleid zu versinken bringt nichts. Das ändert nichts an der Situation und macht es nur noch schlimmer.

 

Hast du Tage an denen Angst und Hoffnungslosigkeit überwiegen? Und wie gehst du damit um? 

Klar gibt es auch solche Tage. Genügend. Man darf der Angst und Hoffnungslosigkeit nur nicht die Überhand geben. Die Angst vor einem Rückfall wird mich wohl ewig begleiten. Ich probiere mich aber an den positiven Dingen im Leben festzuhalten und den Moment zu genießen. Erst jetzt habe ich so richtig gelernt wie kostbar das Leben ist und das man wirklich jede Minute davon auskosten sollte. Ich bin viel dankbarer für mein Leben geworden.

 

Hast du dich jemals mit dem Gedanken auseinander gesetzt an der Erkrankung sterben zu müssen? 

Leider ja. Es gab Momente, an denen auch ich zwischendurch dachte, das wars. Ich hatte zwischendurch wirklich wahnsinnige Angst mich Weihnachten im Hospiz zu sehen. Am Anfang der Diagnose war ich wirklich noch sehr entspannt und habe den Ärzten vertraut. Nachdem dann bei mir doch nichts nach Leitlinien lief und ich realisierte wie ernst die ganze Situation hier gerade ist, war auch ich zwischenzeitlich am verzweifeln und hatte riesengroße Angst.

 

Welche Erfahrungen hast du im Umfeld gemacht- Wie geht deine Familie und dein Freundeskreis mit deiner Erkrankung um?

Ich habe den besten Freund, die beste Familie und den besten Freundeskreis überhaupt. Gerade eine solche Diagnose schweißt einen dann noch mehr zusammen. Ich habe gelernt auf welche Freunde wirklich Verlass ist und was für ein wahnsinnig tollen Partner ich an meiner Seite habe.

Würdest du sagen, dass du durch die Erkrankung ein anderer Mensch geworden bist? 

Schon. Ich lebe jetzt viel bewusster! Wie bereits vorhin schon erwähnt, war ich ein Mensch der immer für alles den perfekten Plan hatte. So war ich eigentlich immer dauergestreßt. Ich habe direkt nach dem Abi eine Ausbildung gemacht, dann Vollzeit gearbeitet und abends noch nebenbei BWL studiert. Ich kam eigentlich nie wirklich zur Ruhe. Jetzt habe ich gelernt, dass Job, Geld und Status nicht alles sind. Gesundheit, Familie und Freunde sind das Wichtigste!

Wie bist du mit dem Gedanken umgegangen, dass dir die Haare ausfallen werfen? Und wie hast du dich gefühlt, als es dann soweit war? 

Das mir die Haare auf dem Kopf ausfallen würden fand ich ehrlicherweise gar nicht so schlimm. Ich hatte vorgesorgt und mir rechtzeitig ein paar hübsche Perücken ausgesucht und die Haare vorab zur Glatze schneiden lassen. So war das wenigstens ein kurzer und schmerzloser Prozess. Viel viel schlimmer fand ich allerdings den Verlust der Augenbrauen und Wimpern. Das hat einen die komplette Mimik und Gestik und den Ausdruck im Gesicht genommen. Ich hatte mich morgens selbst kaum im Spiegel erkannt und fand es furchtbar jeden Morgen diese kranke Frau im Spiegel sehen zu müssen. Ohne Make-Up ging da nichts!

 

Wie hat Instagram dir während dieser schweren Zeit geholfen?

Sehr viel. Es tut gut offen darüber zu sprechen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und so viel positives Feedback zu bekommen. Das hat einen zusätzlich gestärkt und das Gefühl gegeben nicht allein zu sein und irgendwie auch nach wie vor an dem Leben „dort draußen“ teilzuhaben.

 

Und zu guter Letzt: Welchen Rat würdest du jemanden geben der gerade die Diagnose Krebs erhalten hat? 

Offen darüber sprechen, sich nicht zu verstecken und zu Kämpfen! Zudem haben mir meine gute Ernährung und viel Bewegung geholfen einigermaßen gut durch diese schwere Zeit zu kommen. Auf meinem Blog gebe ich zudem Tipps, was mir während der Krebstherapie gut geholfen hat.

 

Was wünscht du dir für die Zukunft? 

Das ist einfach: Gesund zu bleiben! :-)

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Kommentare: 3
  • #1

    Franziska (Freitag, 23 November 2018 17:12)

    Ich wünsche Caro für die Zukunft alles Gute und vor allem Gesundheit.

  • #2

    Nicole (Freitag, 23 November 2018 18:24)

    Danke für diesen offen und ehrlichen Einblick. Alles erdenklich Liebe und Gute für dich Liebe Carolin

  • #3

    Maria (Samstag, 24 November 2018 12:31)

    Vielen Dank für diesen Einblick! Im Alltag beschäftigt man sich (Gott sei dank) damit nicht. Aber eine sensibilisierung für dieses Thema ist nicht verkehrt