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Alleinerziehend mit 3 Kindern...

Annabell steckt inmitten ihrer besten Jahre, so zumindest hat sie es mir gesagt. Sie ist weder blutjung noch steinalt. Die besten Jahre ihres Lebens sind gerade jetzt. Annabell ist eine Optimistin, eine Kämpferin und eine wunderbare Mutter. Für mich ist sie aber auch ein zauberhafter und warmherziger Mensch.

 

Annabell hat zwar weder Instagram noch Facebook, ist dem Leben trotzdem soviel näher als ich es je war.

Wer gerne mit ihr in Kontakt treten möchte, kann das hier per eMail tun. Ich bin mir sicher sie freut sich über jede Zuschrift, jede Frage oder jedes Feedback.

 

 

Alleinerziehend mit 3 Kindern

…. und im ersten Moment geht eine Welt unter. Dass man alleinerziehend ist, schließt ja auch eine Trennung von einem bis dahin geliebten Menschen mit ein. Somit kämpft man gegen zwei „Dämonen“. Doch man hat nicht viel Zeit, man muss sich entscheiden, entweder versinkt man im Selbstmitleid oder aber man beginnt mit dem Kampf. Besser ist es, sich für den Kampf zu entschließen, ganz ehrlich. Denn ist man bereit, sein Leben und die Richtung in die es geht von anderen lenken zu lassen? Nein bestimmt nicht! Ich habe oft an unsere Mütter gedacht, die während des Krieges noch weniger hatten und ohne Männer waren und es auch geschafft haben. So habe ich den ersten Dämon einfach in den tiefsten Keller gesperrt und mich gewappnet. Ich habe die Liebe zu meinen Kindern in mein Mutterherz gepackt und hab es als Rüstung für Kommendes verwendet. Nichts macht eine Mutter mehr zur Löwin als der Kampf für und um die Kinder. 

Ich könnte hier endlos schreiben über all die steten Kämpfe gegen den Alltag, gegen andere allzu “soziale Mütter“, die nur einen Deckmantel brauchten um einen in die Pfanne zu hauen und ihr eigenes Unvermögen zu überdecken, über die Vorurteile, das Mobbing, über die Gemeinheiten die einem an den Kopf geknallt werden und die ständige Besserwisserei, über Schlafmangel und wenig Geld, über das ständig schlechte Gewissen, doch nicht alles geschafft zu haben was man eigentlich hätte erledigen müssen, etc. etc. Vor Kurzem ist mir ein Spruch in die Hände gefallen, der es genau auf den Punkt bringt: „Gute Mütter haben verstaubte Regale, schmutzige Fenster, volle Wäschekörbe, aber was viel wichtiger ist – glückliche Kinder“. Es ging mir nicht darum ob ich eine gute Mutter war, ich wollte meine Kinder glücklich sehen. Natürlich war eine ordentliche Portion Organisation und Koordination nötig um Beruf, Haushalt und dem Wunsch den Kindern all die gute Zeit zu widmen nötig, doch mit einem bisserl Gespür für alles und die Taubheit gegenüber vollen Wäschekörben, dummen Sprüchen, etc. hat das sehr gut funktioniert. Es waren wunderbare Zeiten des gemeinsamen nächtlichen Bücherlesens, Spielens, Bastelei, Blumenpflanzens, Erlebnissen in kleinem Stil auf dem Spielplatz, in Ausstellungen, auf öffentlichen kostenfreien (ja kostenfrei denn ich hatte nur sehr wenig Geld und keinen Unterhalt zur Verfügung), auf Radtouren oder auch beim Lernen, Musizieren oder Sporteln. Schon beim Aufstehen waren die strahlenden verschlafenen Gesichter der Mühe für den anstehenden Tag wert. Wenn sie am Mittagstisch saßen und aufgeregt und begeisternd ihre Erlebnisse von der Schule mit mir teilten und am Abend dann die Neuigkeiten von Freunden etc. erzählten. Alles war genau so wie es sein sollte – die Kinder waren glücklich und ich war glücklich weil sie glücklich waren und der Rest war egal. Hauptsache gesund und glücklich.

Wenn ihr jetzt sagt ich wäre eine Übermutter oder zu meiner Zeit (Anm. vor etwa 30 Jahren) war alles leichter – weder das eine noch das andere. Es hat sich in den vielen Jahren mit Sicherheit einiges geändert, doch eines sollte bleiben, die unendliche Liebe zu unseren Kindern, die uns stark macht wie eine Löwin. Die uns Kraft verleiht die Aufgaben zu übernehmen, sie zu bewältigen und unseren Kindern den Start ins Leben zu geben, den sie verdient haben um dieser Welt zu zeigen, dass es auch noch was anderes gibt als lästern, mobben und anderen ihren Willen aufzuzwingen, nämlich ein miteinander, ein zueinander stehen und ein füreinander. Dann können wir auch wieder mehr Kinder lachen sehen. Denn das Lachen meiner drei Kinder war mir ein Heiligtum und ich bereue keine einzige Minute in all den vielen Jahren, weder die knappe Kasse, die nie stattfindenden Urlaubsreisen, noch die viele Arbeit und den wenigen Schlaf. Ich habe das Kostbarste erhalten das man sich wünschen kann. Ich habe Lachen dreier wunderbarer Kinder, die ich für nichts auf der Welt tauschen möchte, selbst wenn sie jetzt schon alle erwachsen sind. Und wir haben noch immer das gleiche wunderbare Band wie früher. Eines kann ich euch aus tiefstem Herzen mit auf den Weg geben „denk nicht, tue es einfach“ denn wer lange nachdenkt, bleibt oft auf der Strecke und wird unsicher. Ihr werdet es nicht bereuen.

Und all jene Mütter die nicht die Kraft haben oder gesundheitlich angeschlagen sind oder andere Gründe und Hindernisse haben, die unüberwindbar sind oder scheinen, sollen sich auch nicht unterkriegen lassen, denn es gibt die Möglichkeit sich unterstützen zu lassen. 

Es kommt nicht darauf an mit was oder wie ihr es schafft, sondern nur dass ihr es schafft. Das Kinderlachen bleibt uns ein Leben lang im Herzen und Gedächtnis und es ist unbezahlbar.

Egal ob Powerfrau oder nicht, egal wie ihr für euch einen Weg findet alleinerziehend zu überstehen, es ist immer der Richtige. Und lasst euch nicht beirren von der ach so großen „Sozialität“ eures Umfeldes, denn oft ist es nur ein Wort. 

Ich denk an Euch, Eure Annabell

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Kommentare: 4
  • #1

    Greta H. (Freitag, 19 Oktober 2018 20:58)

    Bewundernswert. Spannender Einblick in eine vollkommen andere Welt.

  • #2

    Hilda (Freitag, 19 Oktober 2018 21:53)

    Ich habe 1 kleinen Sohn und bin seit meiner Schwangerschaft auf uns allein gestellt. Die Sorgen und Nöte von Annabell kann ich auch im Jahr 2018 gut nachvollziehen.

  • #3

    Franzi (Sonntag, 21 Oktober 2018 19:21)

    Respektable Leistung. Ich komme mit 2 Kindern, Mann und Großeltern als Unterdtützung oft genug an meine Grenzen.

  • #4

    Julia (Samstag, 03 November 2018 11:47)

    Kann mir gar nicht recht vorstellen wie man das schaffen kann. Hut ab vor dieser Leistung.