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Zweites Trimester | Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, fühlt sich aber verdammt oft so an!

Das Ende des 6 Monats ist greifbar nahe und die Zeit ist wie im Flug vergangen. Jetzt, kurz vor Beginn des dritten Trimesters, ist meine Hyperemesis Gravidarum dank guter medikamentöser Einstellung ein wenig unter Kontrolle. Ich habe mich lange dagegen gewehrt jeden Tag Medikamente gegen die Übelkeit einzunehmen, auch wenn mir sowohl meine Gynäkologin als auch mein Kardiologe immer wieder gesagt haben, das dauerhaftes Erbrechen und das damit einhergehende Dehydrieren nicht besonders gut sind. Schon gar nicht für jemanden der ohnehin regelmässig ohnmächtig wird. Ich leide seid Jahren an neurokardiogenen Synkopen und werde an jeder (un-)möglichen Stelle oder Situation ohnmächtig. Welche grossen Gefahren das gerade in der Schwangerschaft birgt, möchte ich lieber nicht weiter ausführen. Natürlich werde ich engmaschig kontrolliert und ich sehe meine Ärzte definitiv öfter als meine Freunde- aber das ist auch richtig so. Die letzten 3 Monate waren hart. Ich habe die meiste Zeit zu Hause verbracht, dankbar dafür das ich meine Projektarbeit vom Laptop aus machen kann und das sich auch aus dem Bett heraus für den Betriebswirt büffeln lässt. Trotzdem ist es eine Zeit gewesen die extrem an die Substanz ging: Draussen herrschte der Jahrhundert- Sommer, jeder war am See, im Urlaub, in der Eisdiele oder beim Italiener. Und ich war zu Hause. Tag und Nacht.  Im besten Fall. Von meinen mehrfachen Ausflügen ins Krankenhaus ganz abgesehen.  Ich verfolgte das Leben meiner Freunde auf Instagram und sagte regelmässig getroffene Verabredungen kurzfristig ab. Ich fühlte mich wie eine Gefangene zwischen Kotzschüssel und Laptop und war mehr als einmal der Verzweiflung nahe. Ich hatte ausserdem eine massiv schlechtes Gewissen meinen Freundinnen einfach auf den Nerv zu fallen. Ich wollte nie eine Schwangere werden, die "sich nicht fühlt". Deren Leben sich nur um Babybauch und Ultraschallfotos dreht.

Auch beruflich war es schwer: Natürlich gab es den ein oder anderen Termin der einfach wahrzunehmen war, weil man nicht alles per eMail oder per Telefon besprechen kann. Und diese Tage waren der pure Horror. Vollgepumpt mit Vomex und mit Unterdrückung aller körperlichen Reflexe quälte ich mich durch und brauchte anschliessend meist 1-2 Tage um mich davon zu erholen. Das ist einfach frustrierend und traurig für eine 31-jöhrige Frau und es wird einem sehr schnell klar, das dies nicht normal ist. Das eine Schwangerschaft keine Krankheit ist, aber sich verdammt oft danach anfühlt, das war der wichtigste Fakt den ich lernte. 

Auch wurde mir recht deutlich gesagt, das dies meine letzte Schwangerschaft sein sollte. Denn  mein Herz- Kreislaufsystem ist von der ganzen Anstrengung mässig begeistert und auch die Komplikationen der letzten Geburt haben die Situation nicht verbessert... Eine weitere Schwangerschaft ist laut meiner Ärzte einfach medizinisch nicht ratsam und könnte schlimmste Folgen haben. 

Umso mehr schätze ich gerade das ich das Glück habe noch einmal guter Hoffnung zu sein und auch wenn es bislang alles andere als leicht gewesen ist: Ich bin dankbar. Ich bin vielleicht nicht so fit wie andere Mamas und ich tue mich insgesamt anscheinend schwer damit, etwas ganz natürliches komplikationsfrei zu meistern, aber ich kann es nicht ändern. Aber ich kann zumindest mit einer positiven Einstellung das beste daraus machen. 

Eure Fragen an mich

Ihr hattet die Möglichkeit mir ein paar Fragen zu stellen und ich habe die 5 schönsten ausgewählt:

 

Gibt es noch Momente in denen du "vergisst" das du schwanger bist?

Ja, definitiv! Ich trage zum Beispiel leidenschaftlich gerne High Heels wenn ich ausgehe- und wenn man dann nach 5 Schritten merkt, dass es ein einziger Balanceakt mit Babybauch ist, dann hat man vorher vielleicht nicht richtig nachgedacht. Auch generell denke ich, wenn man von meinen körperlichen Blessuren absieht, nicht wirklich darüber nach das ich schwanger bin. Oft sage ich dann ganz enthusiastisch: "Das können wir doch machen." Bis mir auffällt das weder Alkohol auf der Wiesn, noch Wildwasserrafting, spontane Flugreisen und Co. derzeit eine gute Idee sind. :-)

 

Hast Du Angst vor der Geburt?

Ja! Und das tatsächlich weil ich weiss, das ich dieses Mal wohl nicht um einen medizinisch indizieren Kaiserschnitt drum herum komme. Ich habe generell ein grosses Trauma was Operationen betrifft und bin deshalb ziemlich aufgeregt. Aber: Nicht zu ändern und deshalb versuche ich mich darauf zu konzentrieren die Situation anzunehmen. 

 

Wie geht Mr Big mit der Schwangerschaft um?

Souverän! Er ist natürlich auch in Sorge und betrachtet meine gesundheitlichen Einschränkungen mit grosser Sorge aber er ist insgesamt einfach ein wahrer Ruhepool. Er unterstützt mich und holt mich genau da ab wo ich gerade Hilfe benötige. 

Natürlich hat er auch Ängste und Sorgen, bei unserer Vorgeschichte ganz normal. Aber da hilft reden. Wie eigentlich bei allen Problemen.

 

Hast du schon angefangen dir Namen zu überlegen?

Während bei Vincent der Name schon in der 16 Woche stand, taten wir uns dieses Mal sehr schwer. Aber seid ein paar Tagen gibts Namen und wir sind sehr glücklich damit. 

 

Was würdest Du einer Frau raten die nach einer Fehlgeburt wieder schwanger ist?

Versuche keine Vergleiche zur letzten Schwangerschaft zu ziehen und suche dir (psychologische) Hilfe wenn du merkst, dass Angst und Sorge überwiegen. 

 

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Kommentare: 10
  • #1

    Gitta (Donnerstag, 27 September 2018 10:28)

    Es ist bewundernswert wie du das alles meisterst. Ich habe schon gespannt auf deinen 2 Schwangerschaftsbeitrag gewartet nachdem ich leider kein Instagram habe ist das immer so das einzige was ich mitbekomme.

  • #2

    Tatjana (Donnerstag, 27 September 2018 10:46)

    Halt gut durch! Du schaffst das! I

  • #3

    Vicky (Donnerstag, 27 September 2018 11:53)

    Ich hätte schon lange aufgegeben. Ich könnte das gar nicht durchdrehen wenn mir jeden Tag übel ist. Respekt wie du das meisterst

  • #4

    Tanja (Donnerstag, 27 September 2018 15:06)

    Schön zu lesen das es ein wenig besser ist. Ich selber hatte 3 mal mit Hyperemesis zu kämpfen. Ich weiß wie schlecht es dir gehen muss und auf wieviel Unverständnis man seitens des Umfelds stößt

  • #5

    Steffi (Donnerstag, 27 September 2018 20:03)

    Du schaust so unglaublich schön aus!

  • #6

    Rena (Donnerstag, 27 September 2018 22:14)

    Danke für diese ehrlichen Einblick in deine Schwangerschaft! Ich kann nur den Hut davor ziehen wie gut du das alles meisterst. Ein bisschen von deiner Stärke würde mir gut zu Gesicht stehen.

  • #7

    Antonia (Samstag, 29 September 2018 13:28)

    Wow! Du bist ATEMBERAUBEND! Du schaust so wundrrschön und stark aus- genau das was auch dein Blogbeitrag sagt! Ein Vorbild für uns alle!

  • #8

    Charleen (Samstag, 29 September 2018 22:35)

    Ich wünsche dir das Allerbeste. Du hast es nach all dem wirklich verdient!

  • #9

    Anonym (Montag, 01 Oktober 2018 19:50)

    Großen Respekt davor wie du das meisterst

  • #10

    Tamara (Montag, 15 Oktober 2018 01:58)

    Alles Liebe für dich! Respekt wie stark du das meisterst bei der Vorgeschichte.