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Schützenfestzelt| Wiesnwirtfamilie Reinbold

Mathias, Eduard und Ludwig Reinbold (v.l.)
Mathias, Eduard und Ludwig Reinbold (v.l.)

Familie Reinbold führt seit Jahrzehnten das Schützenfestzelt auf der Wiesn. Die beiden Söhne Ludwig und Mathias packen zusammen mit Papa Eduard an.  Und auch unter dem Jahr sind alle gut ausgelastet. Mathias leitet das Traditionshaus "Zum Franziskaner", Ludwig ist der neue Wirt im "Löwenbräukeller". 

Ganz schön was los, bei Familie Reinbold! Und trotzdem haben sich Ludwig und Mathias die Zeit genommen um mit mir über die Wiesn zu reden. Danke Euch!

Ihr seid eines der beliebtesten großen Wiesnfestzelte. Arnold Schwarzeneggers Auftritt als Kapellendirigent ist schon fast gesetzt. Wo liegt Euer Erfolgsrezept?

Mathias: Der gekonnte Spagat zwischen Jung und Alt, zwischen Tradition und Moderne. Bei uns feiern alle zusammen – die Stammgäste, die „Zuagroasten“, Geschäftspartner und Freunde, der Vater mit dem Sohn, die Großeltern mit den Enkeln, all dies führt zu einer unbeschreiblichen Stimmung und macht die Atmosphäre im Zelt so besonders. Dazu kommt natürlich, dass wir mit „nur“ 6.500 Plätzen zu den eher kleineren Festzelten gehören und somit eine generell familiärere Stimmung herrscht. Viele unserer Stammgäste aus dem Franziskaner oder Löwenbräukeller sind auch Stammgäste hier bei uns im Zelt.

 

2018 findet die 185. Wiesn statt. Eine ganz schön lange Zeit. Wie hat sich denn die Wiesn in dieser Zeit verändert? Und: Was hat sich im Schützenfestzelt über die Jahrzehnte getan?

Ludwig: Unser Vater hat das Zelt 1980 übernommen und hatte es nicht leicht am Anfang. Damals war das Oktoberfest nicht vergleichsweise so beliebt wie heute, es gab Tage, an denen keine 50 Besucher im Zelt waren. Mit der Zeit hat er es aber geschafft, aus einem eher kleinen und nicht allzu begehrten Festzelt das zu machen, was es heute ist. Irgendwann kamen dann natürlich auch unsere Freunde zu uns ins Zelt, und somit haben wir mittlerweile eine gekonnte Mischung aus den älteren Stammgästen und einem jüngeren Publikum. Sitzen in der Hausbox hauptsächlich unsere Stammgäste und Freunde und Bekannte unseres Vaters, so findet man in der Box Jachenau fast ausschließlich junge Leute. Und, was auch zu beobachten ist: Die Liebe zur Tracht kehrt immer mehr zurück. Sind vor zehn Jahren noch viele Gäste in Jeans und T-Shirt auf die Wiesn gegangen, so tragen heute fast all unsere Gäste Dirndl und Lederhosn. Das sieht doch einfach schön aus! 

 

Für die Gäste ist ein Besuch im Schützenfestzelt vor allem eins: Spaß und ausgelassene Stimmung. Für die Wirtsfamilie die dahinter steht ist es eine wahnsinnige logistische Leistung, und zwar über das ganze Jahr. Wie kann man sich den Alltag als Wiesnwirt ganzjährig vorstellen?

Mathias: Ein Wiesnzelt zu betreiben bedeutet 365 Tage lang Arbeit. Denn kaum ist die Wiesn vorbei und der Abbau beginnt, geht es schon zeitnah wieder an die Planung und Organisation der nächsten Wiesn. Bei uns ist es gut, dass die Aufgaben so klar verteilt sind. Mein Bruder ist eher operativ tätig, ich bin für das kaufmännische verantwortlich. Natürlich hat der Gast für uns beide oberste Priorität.

 

Heute steht die Qualität und Auswahl der Speisen in einem Festzelt einem Restaurantbesuch in nichts nach. Vor 50 Jahren sah das noch ganz anders aus. Da gab es weder Mineralwasser noch Limo im Zelt, und auch die Speisekarte war recht limitiert. Für den Gast ist diese Entwicklung eine Bereicherung. Für die Wirte, die sich mit Unmengen an bürokratischen Hürden und hygienischen Auflagen rumschlagen müssen, ist es ein Kraftakt. Wie gewährleistet ihr eure Qualität?

Ludwig: Dank unserer beiden Großbetriebe, der Gaststätte „Zum Franziskaner“ und dem „Löwenbräukeller“, sind wir natürlich bestens aufgestellt, was die Versorgung von einer großen Anzahl an Gästen angeht. Die Qualität ist uns enorm wichtig, die Speisekarte wird jedes Jahr aufs Neue exakt geprüft und überarbeitet, um auch weiterhin den Standard leisten zu können, für den das Schützenfestzelt steht und wofür wir auch immer wieder ausgezeichnet werden. Wir beziehen alle Waren, besonders die Fleisch-Produkte, aus der Region und bekommen jedes Jahr aufs Neue wieder die Auszeichnung „Geprüfte Qualität Bayern“ sowie das das bayerische Umweltsiegel für das Gastgewerbe in Gold verliehen, was für besondere Nachhaltigkeit im Unternehmen steht.

 

Ein Tag im Schützenfestzelt ist…

Beide: Unvergleichlich! Ab dem Moment, an dem es heißt „O`zapft is!“ herrscht ein Ausnahmezustand in der ganzen Stadt, der sich auf alles und jeden überträgt und zwei Wochen lang anhält. Jeden Tag aufs Neue, vom Ausschank der ersten Maß bis hin zum letzten Lied um 22:30 Uhr, herrscht unschlagbare Stimmung bei uns im Zelt. Besonders schön: Wenn am letzten Wiesn-Abend zu Rainhard Fendrich`s Lied „Bergwerk“ alle knapp 7.000 Gäste ihre Sterndlwerfer anzünden, mitschunkeln und mitsingen. Ein Erlebnis, das jedes Jahr aufs Neue wieder für Gänsehaut sorgt!

Familie Reinbold: Zusammen ein super Team.
Familie Reinbold: Zusammen ein super Team.

Übrigens...  Noch ein heisser Tipp von den Wiesnwirten:

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Kommentare: 9
  • #1

    Sophia (Mittwoch, 12 September 2018 11:10)

    Super cool! Wiesnwirte zum Anfassen. Ich bin definitiv wieder im schützen mit dabei :-)

  • #2

    Thomas R. (Mittwoch, 12 September 2018 12:58)

    Ich verfolge den Blog und die Instagram Seite jetzt schon eine ganze Weile und bin immer wieder begeistert. Die Beiträge schaffen es immer die Dinge so sympathisch rüberzubringen das man Spaß daran hat. Und gerade Wiesnwirte, da ist dein hemmschwelle doch oft groß für den Privatmensch. Die Instagram Storys zeigen eine so private und witzige Seite wie es in all den Jahren weder AZ noch TZ mit Wiesnwirtespecials geschafft haben. Weiter so!

  • #3

    Andreas (Mittwoch, 12 September 2018 16:13)

    Ein gelungener Beitrag!

  • #4

    Riccarda (Mittwoch, 12 September 2018 21:32)

    Super schöner Beitrag. Ich freu mich schon auf die Wiesn und ich werde auf jeden Fall mal im Schützenfestzelt vorbeischauen.

  • #5

    Frieda (Donnerstag, 13 September 2018 14:18)

    Ich war total begeistert als ich mir gestern den Wiesnguide auf Instagram angesehen habe. Ich glaube ich habe so etwas cooles über die Wiesn noch nie gesehen, wann hat man als Normalo schon mal die Möglichkeit so hinter die Kulissen schauen zu dürfen? Danke das du uns das möglich gemacht hast!

  • #6

    Anonym (Freitag, 14 September 2018 10:28)

    Ein cooler Beitrag über meine Chefs! Auch aus Kellner Sicht kann ich nur sagen, das es einen große Gaudi is im Schützen zu arbeiten. Kommt’s alle vorbei., Mia gfrein uns!

  • #7

    Elke (Freitag, 14 September 2018 22:07)

    A scheener Artikel!

  • #8

    Lea (Samstag, 15 September 2018 16:55)

    Spannender Einblick! Ich komme jedes Jahr aus Berlin und freue mich schon jetzt auf nächstes Wochenende.

  • #9

    Tanja P. (Sonntag, 16 September 2018 13:04)

    Ich liebe den Wiesnguide auf Instagram! So eine coole Idee und ich finde es spitze das sich die Wiesnwirte dafür nicht zu schade sind. Überhaupt die beste Werbung die man haben kann. Allein dafür gehe ich dieses Jahr wieder auf die Wiesn und sicher auch ins Schützenfestzelt!