Männerdomäne? So what! Ich mach das jetzt! Ramona Pongratz über ihren Weg zur Wiesnwirtin.

Ramona Pongratz ist 21 Jahre alt und hat gerade ihre Ausbildung im Bereich Management für Hotel und Tourismus absolviert. Vier Monate London liegen hinter ihr in denen sie noch zusätzliche Qualifikationen im Bereich Eventmanagement gesammelt hat.

Den Namen Pongratz, den kennt man in München. Vater Peter führte Jahrzehnte den "Paulaner am Nockherberg" und die "Grünwalder Einkehr". Während er letzteres jetzt in die Hände seiner Tochter gab, die gemeinsam mit ihrer Mutter ein vollkommen neues Wirtshauskonzept erarbeitete, wird der Paulaner am Nockherberg jetzt von einem anderen Münchner Gastronom erfolgreich geführt. Familie Pongratz- eine Familie, die für Gastronomie steht und die neben den beiden Wirtshäusern eben auch das Paulaner Festzelt "Winzerer Fähndl" auf der Wiesn betreibt. 

Während Vater Peter mittlerweile seinen Ruhestand genießt und nur noch während der Wiesn eine Ausnahme macht, sind die Frauen in der Familie jetzt dabei, genauso erfolgreich zu werden.

 

Ramona, du hast dich gegen einen klassischen "9 to 5" Job entschieden und bist seit April Jung-Wirtin der "Grünwalder Einkehr". Gemeinsam mit deiner Mutter habt ihr ein vollkommen neues Konzept erarbeitet- was mittlerweile 4 Monate nach der Eröffnung begeisterte Anhänger findet. Hast du Anfangs das Gefühl gehabt, man nimmt dich nicht ernst?

Ramona Pongratz: Freunde der Familie, Wirtshauskollegen und natürlich auch die Presse haben uns schon gezeigt, dass sie der Sache mit einer gewissen Skepsis gegenüber treten. Es sind sehr große Fußstapfen in die ich trete, aber ich hatte immer Vertrauen in unser Konzept und darin, dass Qualität am Ende noch jeden Kritiker überzeugen wird. Und so ist es gekommen. 

 

Du kommst natürlich aus einer Familie, die recht privilegiert ist. Hast du Probleme gehabt, Freunde zu finden, die es ehrlich mit dir meinen?

Ramona Pongratz: Ich habe über die Zeit gelernt herauszufinden, auf wen ich zählen kann. Natürlich gibt es da die Menschen, die sich nur kurz vor der Wiesn melden und erwarten, dass man ihnen dann einen Tisch ermöglicht. Und ich hatte auch oft das Problem, dass man mir vorhielt, "ich sei was besseres." Für die Verhältnisse in die ich hineingeboren wurde, bin ich nicht verantwortlich und sie machen mich nicht zu einem anderen Menschen. Meine Freunde suche ich mir nach Werten wie Ehrlichkeit und Loyalität aus- nicht nach dem Geldbeutel. Und das sollte doch andersrum genauso sein.

 

Hast du denn Unterstützung von deinen Freunden erfahren, als du dich jetzt für den Weg der Gastronomin entschieden hast?

Ramona Pongratz: Ja! Sie haben mir natürlich ins Gewissen geredet, ob ich weiß was es bedeutet. Ich arbeite in der Regel, wenn meine Freunde frei haben. Wir sehen uns selten, oft bin ich auch einfach zu müde für ein spontanes Abendessen. Das sind alles Dinge, die sich in den letzen Monaten verändert haben. Das war aber etwas, auf das ich mich vorbereitet habe und worin meine Freunde mich unterstützen. Und ich liebe meine Arbeit und bin sehr glücklich diesen Schritt gewagt zu haben.

 

Die Wiesn 2018 ist für dich der Startschuss in eine besondere Zeit: Du bekommst in den kommenden 3-4 Jahren von deinem Vater das Handwerkszeug beigebracht um danach selbst erfolgreich als Wiesnwirtin zu sein. Mit welchen Gefühlen gehst du an diese große Aufgabe?

Ramona Pongratz: Zunächst mal bin ich glücklich und dankbar für diese Chance. Und ich bin mir darüber im Klaren, dass ich zunächst gerade bei unseren langjährigen Mitarbeitern "die Tochter vom Wirt" sein werde. Ich habe vor, mir den Respekt zu erarbeiten. Das was ich von meinen Mitarbeitern verlange, möchte ich vorleben. Das heißt: Als erste da sein, als letzte gehen. Bescheid zu wissen, was im Zelt vor sich geht. Was für Aufgaben anliegen, wie der Tagesablauf ist und wo es brennt. Ich werde mich da reinfinden und am Ende mit meiner Kompetenz überzeugen. 

Und ich habe Menschen um mich, denen ich vertraue- meine Eltern werden mir alle Unterstützung geben die ich benötige und auch meine Freunde Ludwig und Mathias (Ludwig und Mathias Reinbold, Wiesnwirte "Schützenfestzelt", Gastronomen "Zum Franziskaner", "Löwenbräukeller") sind mir eine große Hilfe. Sie sind selber jung zu Wiesnwirten geworden und wissen sehr gut, auf was es für mich jetzt zu achten gilt.

 

Was würdest du jungen Frauen raten, die daran zweifeln, sich selbst zu verwirklichen?

Das Wichtigste ist, an sich selbst zu glauben und nichts darauf zu geben, was andere von einer Idee halten. Wenn ich selber daran glaube, etwas schaffen zu können- dann werde ich es auch. Egal wie steinig der weg sein mag. Niemals aufgeben, egal wie hart die Rückschläge sind.

 

Hattest du denn selber mit Rückschlagen zu kämpfen?

Oh ja! Mein Abitur habe ich über Umwege gemacht- denn der Direktor meiner Schule hat es mir nicht gerade einfach gemacht. Das war nicht immer einfach und natürlich hat das an mir genagt. Aber dann habe ich mein Fachabitur gemacht und mir hinterher gesagt: "Du hast es doch geschafft, obwohl man es dir nicht zugetraut hat." 

Und darin haben mich meine Eltern auch immer bestärkt: Das zu machen, was ich gerne tun will. Egal wie widrig die Umstände sein mögen.

 

Das klingt als seien deine Eltern sehr stolz auf dich- und das natürlich zu Recht. Worauf haben Sie bei deiner Ausbildung Wert gelegt?

Zunächst einmal war es ihnen egal, was ich mache- solange ich es mit Herzblut tue. Mein kleiner Bruder macht zum Beispiel gerade eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Das Einzige, was für sie unabdingbar war, ist ein ordentlicher Abschluss. Dass ich studieren muss zum Beispiel, das haben sie nie verlangt. Das wäre auch nichts für mich gewesen. Ich bin eine echte Macherin- ich mag es, etwas zu bewegen. Mich hat schon das stundenlange Stillsitzen in der Schule genervt. Dass ich mich dann nicht durch jahrelange Vorlesungen quäle, stand sofort fest. Und ich bin damit sehr glücklich. 

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Kommentare: 7
  • #1

    Sophia (Donnerstag, 23 August 2018 18:26)

    Toller Artikel und sehr starkes Thema. Die Fotso sind umwerfend und ich wünsche Ranona das beste. Sie wird das mit Bravour meistern.

  • #2

    Rieke (Donnerstag, 23 August 2018 19:57)

    Ich lese sonst nie Blogs aber deiner ist so anders. Die Themen reißen mich total mit und du hast so eine tolle Art. Das Interview mit Ramona ist super spannend und inspirierend.

  • #3

    Franz (Donnerstag, 23 August 2018 21:08)

    Whoop Whoop! Frauen an die Macht. Spitze Ramona! Du wirst amoi a gscheide Wiesnwirtin

  • #4

    Desiree (Donnerstag, 23 August 2018 22:57)

    Chapeau! Cooler Artiikel!

  • #5

    Richard (Donnerstag, 23 August 2018 23:57)

    Ich finde es ist überfällig das Frauen wie Ramona das Ruder übernehmen. Ich denke Sie wird da hervorragend meistern.

  • #6

    Rita (Samstag, 25 August 2018 02:32)

    Eine ganz tolle junge Frau, die hübsche Ramona! Ich hoffe ihr gelingt ein guter Start auf dem Oktoberfest dieses Jahr!

  • #7

    Anne (Samstag, 25 August 2018 10:46)

    Ich liebe deinen Blog! Die Themen die du behandelst sind so klasse und fern von dem ganzen oberflächlichen Kram den es sonst so gibt.