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Papas sind Helden!

Wir Mütter leisten bereits in der Schwangerschaft enorme Leistungen. Und werden im besten Fall im Anschluss mit dem Glück eines gesunden Kindes belohnt. 

Meine Schwangerschaft ist auch dieses Mal alles andere als ein Spaziergang. Das ich das alles gut überstehe liegt nicht an meiner immensen Stärke. Sondern an dem Mann der hinter mir steht.

Eine Schwangerschaft ist die härteste Reise die man als Frau erlebt. Und die schwierigste Probe die ein Paar zu bestehen hat.

 

Entgegen der Friede- Freude- Eierkuchen- Welt die auf Instagram proklamiert wird, sind diese 40 Wochen die Zeit in der sich prüft, was sich ewig binden will. 

Während wir Frauen von Anfang an, eine besondere Verbindung zu dem Kind haben, was in uns heranwächst, sind die dazugehörigen Papas gerade innerhalb des ersten Trimesters nicht viel mehr als  Statisten. Sie sitzen 9 Monate im Wartebereich- und warten. Auf die große Veränderung im Leben, die sich Vater werden nennt. Alle sprechen doch davon. "Wenn du erst einmal ein Kind hast, dann ist nichts mehr wie vorher."

Eigentlich sollte man sagen, "Wenn deine Partnerin schwanger wird, beginnt die Zeit in der nichts mehr ist, wie vorher."

 

Obwohl sich die Frau, von der man(n) dachte das man sie kennt, oftmals in eine Furie verwandelt, die nur maginale Ähnlichkeit mit der holden Angebeten hat- rein äußerlich ist die Schwangerschaft noch nahezu unsichtbar. Aber schon jetzt beginnt sich die Partnerschaft zu verändern.

Hormonell bedingt ist die werdende Mutter oftmals müde und allein die Bewältigung des Tagesablaufes kann schon eine Aufgabe für sich sein. Dazu kommt häufig mehr oder weniger schlimme Übelkeit, die dann noch den letzten Rest Lebensgeist aus der Frau heraussaugt. Und so werden aus vielen unternehmungslustigen Pärchen Stubenhocker und der beidseitige Unmut steigt. Die werdende Mama ist genervt von ihrer eigenen Unzulänglichkeit und der zukünftige Papa schlichtweg überfordert. Für ihn ist es oftmals unvorstellbar, wie ein so kleines und zu dieser Zeit nichtmal sichtbares Wesen, das Leben eines Paares bereits in den ersten 12 Wochen derart verändern kann. 

 

Auch ich war in den ersten Monaten der Schwangerschaften sicherlich keine Vorzeigepartnerin. Ich war oftmals übelgelaunt, weil mir mein Körper einmal mehr ein Schnippchen geschlagen hat. Und ich kann nicht besonders gut damit umgehen wenn es nicht nach meiner Vorstellung läuft- sich zurücknehmen, einen Gang runterschalten... Das sind Dinge, die ich nicht unbedingt auf die Liste meiner charakterlichen Vorzüge setzen würde. 

Wie unglaublich wichtig es ist, einen Mann an seiner Seite zu haben der einem den Rücken stärkt und erkennt was im Argen liegt, ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. 

Väter sind in diesen Zeiten zwar oftmals hilflos weil Ihnen rein biologisch das Verständnis dafür fehlt, welch grossartige Verwandlung der weibliche Körper da gerade durchläuft. Aber sie sind doch eigentlich diejenigen, die uns Mamas jetzt die Zeit erträglich machen.

Sie halten uns die Haare zurück, wenn wir uns einmal mehr vollkommen entkräftet übergeben müssen. Sie laufen los um uns unsere Lieblingsschokolade zu den unmöglichsten Uhrzeiten zu besorgen und sie bieten uns einen Arm zum kuscheln, wenn wir müde sind von all den Veränderungen die in uns gerade passieren.

Die werdenden Väter begleiten uns zum Ultraschall, drücken uns die Hand wenn wir ängstlich und gebannt auf den Monitor schauen und auf das erlösende. "Alles in bester Ordnung!" vom Arzt warten. Und wenn sie es mal nicht schaffen dabei zu sein, weil sie ja auch noch einer Arbeit nachgehen müssen, dann haben sie quasi eine Standleitung zu uns- um immer auf dem Laufenden zu sein. 

 

Männer sind eigentlich vielmehr als Statisten in der Schwangerschaft. Wie oft kam mir der Satz über die Lippen: "Ich hasse ihn! Sein Beitrag bestand aus 30 min Spass und nun lebt er sein Leben weiter, als sei nichts geschehen. Und ich? Ich bin eine träge, hässliche und übelgelaunte Seekuh! Und muss auch noch die verdammte Geburt überstehen."

Doch eigentlich, sind wir doch mal ehrlich, geht auch das Leben von den werdende Vätern ganz und gar nicht weiter wie bisher. Während sie zwar nach aussen rein formal jeden morgen zur Arbeit trotten, am Wochenende dem Lieblingsverein zugröllen und sich mit ihren Best Buddies betrinken, sind sie innerlich nicht weniger zerfressen vor Selbstzweifeln, Ängsten und Sorgen wie wir.

Wer nicht gerade mit dem goldenen Löffel im Mund geboren ist und sich aufgrund von ein paar Milliönchen auf dem Konto erst einmal keine Sorgen um die finanzielle Versorgung der baldigen Familie machen muss, wird schnell dank Elterngeldantrag, Kitabeitrag, Erstausstattung, Pekip- Kurs und Co. von den horrenden Kosten übermannt. Vollkommen unmöglich für einen jungen Vater der das erste Kind erwartet, herauszufinden was man davon nun braucht und was einfach ausgesprochener Non-sens ist. Und machen die Müllers von Oben nicht auch diesen Pekip- Kurs? Es wäre ja schon peinlich, wenn man dann gar keine Ahnung hat wovon sie beim nächsten Biergartenbesuch reden... 

 

"Das Sprichwort Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr!" ist zwar uralt, könnte aber präsenter kaum sein.

Während man als Frau gerne versucht ist, zu übersehen was der eigene Partner da leistet, während man aufgrund der Symphysenschmerzen nicht einmal mehr würdevoll von Bett zu Sofa wechseln kann, und an Schlaf kaum noch zu denken ist, übersehen wir nicht selten das auch der Mann neben uns nicht schläft.

 

Seine Sorgen sind nicht kleiner als die unsrigen. Manchmal, so glaube ich, sind wir im Vorteil. In uns wächst das neue Leben heran, wir haben 40 Wochen Zeit uns auf das einzustellen was uns da erwarten könnte. Mit dem wachsenden Bauchumfang, den mehr werdenden Zipperlein werden wir tagtäglich daran erinnert das wir Mutter sind. Wir werden es nicht erst mit der Geburt des Kindes. Wir sind es ab dem Tag an dem unsere Schwangerschaft beginnt. Wir lieben unser ungeborenes Kind, wie beschützen es und nehmen teilweise extreme körperliche Belastungen in Kauf um ein gesundes Baby zu entbinden. Wie stark die Mutterliebe sein kann, zeigt sich doch schon in den vielen Frauen die oftmals (vergeblich) über Jahre mit künstlicher Befruchtung, Hormonbehandlung und Co. versuchen Mutter zu werden,

Die Väter hingegen sind nicht sichtbar gekennzeichnet, sie haben keinen Bauch der mitwächst (obwohl...) und in ihnen strampelt auch kein kleiner Mensch der sie tagtäglich daran erinnert was da schon bald Wirklichkeit wird.

Aber sie sehen ihre Partnerin die sie lieben und mit der sie jetzt eine Familie gründen, an. Sie sehen die körperlichen Veränderungen die das wachsende Leben einfordert. Sie machen sich Sorgen. Um die Frau die sich quält und um das ungeborene Leben. Sie fragen sich ob das ständige Kotzen denn nicht schädlich für das kleine Wesen ist. Und atmen erleichtert auf, wenn ihnen der Arzt diese Sorge nimmt. 

Sie schleppen sich jeden Tag auf die Arbeit, rechnen im Kopf durch wieviele Überstunden sie die nächsten 2 Jahrzehnte machen müssen um den lieb gewonnen Lebensstandard auch mit dem neuen Erdenbürger halten zu können. 

Es macht ihnen Angst, zu sehen wie aus der Beziehung mit der Frau die sie lieben eine Zweckgemeinschaft wird. Es wird nur noch diskutiert ob man jetzt den Joolz kauft oder doch eher den My Junior- und wieso muss es überhaupt ein Markenkinderwagen sein?

Die Frau mit der man früher schlaflose Nächte verbracht hat, weil sie die neue Kollektion von Victoria Secrets rauf und unterbestellt hat, hält einen auch mit einem 7 Monats Bauch noch die ganze Nacht wach. Aber nicht wegen aufregender Bettgeschichten, sondern weil man ihr den Rücken massiert, wenn sie nicht einschlafen kann. 

 

Statistisch gesehen, scheitern besonders viele Beziehungen in den ersten 2 Jahren nach der Geburt eines Kindes. Als Gründe nennt forsa hier zu wenig Sex, zu wenig gemeinsame Unternehmungen und der Verlust der Paaridentität.

Ich glaube das sofort! 

Ich selber muss mich immer wieder daran erinnern das nicht nur die Zeugung eines Kindes Teamwork ist, sondern auch die Zeit der Schwangerschaft sowie die Erziehung und der Alltag mit einem gemeinsamen Kind. 

Auch wenn die Frauen sichtbar für jeden zur Mutter werden, durchleben die dazugehörigen Väter einen nicht weniger prägsamen und schwierigen Prozess. Sie müssen sich neu finden, ihre Rolle neu ordnen und lernen wie sie mit der neuen Situation umgehen. 

Ich habe für mich entschieden, dem Vater meines Nachwuchses viel mehr Respekt zu zollen. Er ist ein Held. Er ist MEIN Held. 

Und es ist meine Aufgabe ihm dabei zu helfen, seine Rolle in dieser Dreierkonstellation aus DU- ICH- BABY, neu zu definieren. 

 

Und eins vorweg: Jedes Paar hat seine Lösung, sein Patent für eine glückliche Partnerschaft und meine Lösung muss nicht für Gretchen Müller nebenan die Richtige sein. 

Ich gebe aber offen zu, natürlich Angst zu haben schon bald nur noch Mutter zu sein.

Am Ende über kein anderes Thema mehr zu reden als über zahnen, Bäuerchen und Blähbauch. Bereits in der Schwangerschaft trennt sich bereits bei vielen Frauen die Spreu vom Weizen- viele scheinen bereits hier kein anderes Thema mehr zu kennen, als den in ihnen heranwachsenden kleinen Menschen. 
Ich wollte so nie sein, weil ich weiterhin ein Ansprechpartner für meine (zum Teil kinderlosen) Freunde sein möchte. Weil ich mich selbst damit nicht mehr wohl und somit auch unattraktiv finden würde. Ich bin eine Frau die auch Mutter ist. Ich bin aber auch Freundin und Partnerin. Und da war doch auch noch so eine Sache namens Beruf. 

Ja! Man könnte meinen, ich bekomme mein Kind nebenher. Aber dem ist nicht so. Ich möchte nur den Menschen die mir viel bedeuten, in meinem Leben weiterhin einen grossen Platz einräumen. Und ich hoffe, dass ich mit dieser Einstellung auch für den Vater meines Kindes mehr bin als nur Mutter. Sondern auch Freundin, Partnerin und Geliebte. 

Und so hoffe ich, das wir -mein Mr Big und ich- unbeschadet diese wundervolle Zeit überstehen und tolle Eltern werden. Aber auch das Paar bleiben -zumindest in Teilzeit-, was wir sind: Glücklich miteinander, ein wenig verrückt und konventionslos.

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Kommentare: 8
  • #1

    Jürgen (Samstag, 04 August 2018 15:43)

    Ich kann dem als 4 fache Vater nur in jedem Punkt zustimmen. Ausserdem möchte ich wirklich meinen Hut ziehen vor soviel Selbstreflexion.
    Ich weiss wie schwer eine Schwangerschaft Körper und Geist einer Frau zu schaffen macht und dabei trotzdem so pointiert darüber zu schreiben ist wirklich toll.
    Ich habe meine erste Frau verlassen weil wir den Spagat Eltern und Kind nicht geschafft haben. Sie trägt daran nicht die Schuld- wir hätten das besser machen müssen. Ich hoffe das dein Beitrag vielen Paaren frühzeitig eine Warnung ist.

  • #2

    Anne- Marie (Samstag, 04 August 2018 16:52)

    Danke für diesen spannenden Beitrag zu einem Thema was sonst eigentlich keinerlei Beachtung erfährt... Ich werde versuchen die kommenden Monate mehr wertzuschätzen was mein Mann tut. Du hast Recht, es ist Teamwork

  • #3

    Elsie (Samstag, 04 August 2018 17:21)

    Ich hab überhaupt kein Verständnis für meinen Freund.. ehrlich gesagt wüsst eich auch nicht warum. Während ich Tag und Nacht für das Kind da ist, macht er sich denkfaulen Lenz nach der Arbeit

  • #4

    Thomas (Samstag, 04 August 2018 19:55)

    Vielen Dank das mal jemand für uns eine Lanze bricht. Dein Mann kann sich glücklich schätzen.

  • #5

    Hanni (Sonntag, 05 August 2018 12:24)

    Ein sehr spannendes Thema was du da aufgegriffen hast. So habe ich dss tatsächlich noch nie betrachtet. Wahrscheinlich sollte ich meinem Freund öfter Danke sagen

  • #6

    Friederike (Sonntag, 05 August 2018 18:23)

    Dein Blog ist wirklich eine Wucht, ich bin gerade durch Zufall auf Instagram auf dein Profil gestoßen.,und habe jetzt jeden Artikel gelesen. Bin wirklich begeistert,

  • #7

    Paul (Dienstag, 07 August 2018 15:00)

    Ein sehr schöner Artikel

  • #8

    Anja (Mittwoch, 15 August 2018 23:28)

    Ein ganz toller Bogbeitrag dem ich nur zustimmen kann. Der Leistung der Männer wird viel zu wenig Beachtung beigemessen.