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Was denken Männer eigentlich wirklich über uns Frauen?

Manchmal erscheint es einen, als wisse man überhaupt nicht wer der Mann eigentlich ist, der neben einem auf der Couch sitzt. Seine Reaktionen und manchmal auch seine Aktionen erscheinen mir oft so fremd, dass ich zu glauben beginne Männer kommen wirklich vom Mars und wir Frauen von der Venus. Meisten jedoch glaube ich, dass dem starken Geschlecht ziemlich übel mitgespielt wird. Denn eigentlich, so vermute ich, sind die Herren der Schöpfung gar keine gefühlskalten Klötze sondern einfach unverstandene Irrlichter. Männer zeigen sehr wohl Gefühle, sie bedienen sich nur einer anderen Sprache. Soweit meine Theorie.

Natürlich ist nichts pauschalisierbar und 3 Männer bilden noch lange nicht die Meinung einer ganzen Spezies ab. Trotzdem habe ich mir Marcus*, Tobias* und Max* sehr unterschiedliche Männer um ihre Meinung zu ein paar heiklen Fragen gebeten und diese prompt bekommen. Auch wenn die 3 lieber anonym bleiben, schon allein aufgrund der Nachfrage zur Treue, sind mir die Herren bestens bekannt und ich freue mich sehr, dass sie sich auf dieses Experiment eingelassen haben.

 

Marcus ist 33, Angestellt und kinderlos. Er ist ein fussballbegeisterter Playstationnarr, der gegenüber Frauen recht schüchtern ist, dafür aber ein Herz aus Gold besitzt. Einmal sein Herz erobert, ist er treu bis zum letzten Tag. Ein wahrlich guter Fang für jede Frau. 

 

Tobias ist 45, Jurist und Familienvater. Er lebt traditionelle Werte und ich kann im Superlativ behaupten, keinen verlässlicheren Menschen als ihn zu kennen, Ihm sind die klassischen Tugenden wichtig und er pflegt Freundschaften auf eine Art, die in der heutigen Zeit leider aus der Mode gekommen ist. 

 

Max ist 55, Unternehmer und lebt für seine Arbeit. Privat ist er ein liebevoller Familienvater. Familie und traditionelle Werte sind in seiner Familie von grosser Bedeutung und wurden ihm von jeher impliziert. Seine Jungend hat er in der Münchner Society als Playboy verbracht hat und war stadtbekannt dafür, nichts anbrennen zu lassen.

 

Warum schreibt ihr nicht zurück, obwohl ihr online seit? 

Marcus: Das kann viele Gründe haben. Wenn ich in Gesellschaft bin fällt es mir z.b. schwer, mich auf etwas anderes zu konzentrieren. Und bevor ich irgendeinen Quatsch antworte, warte ich lieber bis ich Ruhe hab. 

Tobias: Vermutlich verstehe ich die Frage nicht richtig - aber es ist doch verständlich, dass man nicht immer, während man online ist, die Zeit und Lust hat, private Kommunikation zu führen. Schätzungsweise 80 Prozent meiner Online-Zeit sind dienstlicher Natur - da gibt es im Zweifel einfach andere Prioritäten.

Max: Ich priorisiere nach Wichtigkeit. Und was mir wichtig ist, das beantworte ich auch umgehend.

 

Was unterscheidet eine Frau mit der ihr Sex habt, von einer Frau mit der ihr eine Beziehung wollt? 

Marcus: Eigentlich nichts. 

Tobias: Im Optimalfall gar nichts. Manchmal einfach die Umgebungsumstände.

Max: Das eine ist Lust und nicht mehr als eine Momentaufnahme. Das andere ist Liebe. Wobei ich aus den Zeiten raus bin, in denen ich da unterscheide. Schlafen will ich nur noch mit der Frau, für die ich Liebe empfinde. 

 

Warum fällt euch nie auf, wenn unsere Frisur verändert ist? 

Marcus: Eine veränderte Frisur fällt schon auf. Schwierig wird es bei veränderter Haarfarbe. Da geht es ja meist nicht um eine Veränderung von schwarz zu hellblond, sondern von hellblond zu platinblond oder so. Wer soll sowas erkennen?

Tobias: Ich wage mal die These, daß mir das definitiv auffallen würde. 

Max: Ach, das ist doch ein Klischee! Mir fällt das immer auf...

 

Woran denkt ihr beim Sex? 

Marcus: Ich kann nur für mich sprechen. Ich denke eigentlich an nichts. 

Tobias: Kommt auf den Sexpartner an, würde ich sagen: Im Optimalfall an den Sex selbst und denjenigen, mit dem man ihn hat. Im schlechtesten Fall an die Steuererklärung. 

Max: Wenn der Sex gut ist, dann an den Moment. Wie sie sich anfühlt, wie sie riecht und schmeckt. 

Wenn ich anfange über die Arbeit nachzudenken war es wohl eher eine Nullnummer...

 

Ist es ein Problem für euch wenn Frauen kein Interesse an Fußball haben? 

Marcus: Lieber kein Interesse statt vorgetäuschtem Interesse. Ein Problem ist es nur dann, wenn ihr versucht, uns das Interesse an Fußball "abzuerziehen". 

Tobias: Definitiv nein!

Max: Nein. Ein Problem ist vorzugeben etwas zu mögen, um einen Mann aufzureißen. Ich selber bin kein Fussballnarr, insofern ist mir das ohnehin gleich. 

 

Habt ihr wirklich dieses typische 90-60-90 Bild von einer Frau? 

Marcus: Ich glaube nicht. Dieses Bild ist ja eher durch Mode geprägt, meine ich. Für mich zählen da andere Maßstäbe. 

Tobias: Absolut nicht. Das Gesamtbild ist entscheidend. Meistens sind Frauen die Idealmasse haben auch sehr selbstbewusst. Das gefällt mir, denn kein Mann findet es schön wenn eine Frau nur über ihre Unzulänglichkeit grübelt.

Max: Nein. Ich schaue mir gerne schöne Dinge an. Dazu gehören auch Frauen. Natürlich auch Models. Aber das Problem bei den normalen Frauen mit Konfektionsgröße 42 oder 44 sind nicht die Extrakilos. Sondern die Ermangelung an Selbstbewusstsein. Eine Frau gefällt mir dann, wenn sie sich selbst gefällt. 

 

Warum könnt ihr nie treu sein? 

Marcus: Können wir. 

Tobias: Kann ich wohl. Kommt auf die (richtige) Partnerin an. Überdies: Superlative wie immer, nie, alle, keine etc. dürften nur in den allerseltensten Fällen einmal zutreffend sein.

Max: Das können wir. Wenn wir lieben. 

 

Warum fällt es euch so schwer eure Gefühle zu zeigen? 

Marcus: Wir zeigen Gefühle eigentlich auch. Bei uns findet vieles aber non-verbal statt.

Tobias:  Weil man sich dadurch angreifbar und verletzbar macht. Ich spreche hier aus mehrfacher bitterer Erfahrung.

Max: Mir fällt es schwer weil ich es nie gelernt habe. 

 

Was würdet ihr tun, wenn ihr ein Tag eine Frau wärt? 

Marcus: Wahrscheinlich viel Zeit damit verbringen, die offensichtlichen Unterschiede an uns zu untersuchen.

Tobias: Den Versuch unternehmen, dann das eigene Denken und Handeln zu verstehen. Und natürlich Sex haben. 

Max: Sex haben. Und einen Mädelsabend initiieren um herauszufinden wie ihr eigentlich wirklich tickt.

 

Redet ihr mit euren Freunden über uns? Und wenn dem so ist, wie können wir uns das vorstellen? 

Marcus: Natürlich machen wir das. Wichtige Dinge werden angesprochen. Aber in Maßen. 

Tobias: Nein.

Max: Ja! Entweder weil ihr eine tolle Nunmer seid, dann geben wir mit euch an. Oder ihr habt einen veritablen Bock geschossen...  Aber eben für 5 Minuten und nicht auf Stunden.

 

Glaubt ihr, dass es Frauen im Beruf schwerer haben als ihr? 

Marcus: Es gibt Frauen, deren Verhalten bei der Arbeit es ihnen selbst schwer macht. Da werden viele Dinge auf einer persönlichen und emotionalen Ebene interpretiert, was unprofessionell ist und das Klima leiden lässt.

An sich sollte gleiche Leistung auch immer den gleichen Wert haben, unabhängig vom Geschlecht.

Tobias:  Definitiv ja. Also zumindest in den meisten Berufen…vermutlich weniger im horizontalen Gewerbe oder im Synchronschwimmen.

Max: Ja. Zum einen weil Frauen zum Nachteil gelangt, dass sie irgendwann im gebährfähigen Alter sind und sich meiner Meinung nach entscheiden müssen: Entweder für die Familie oder die Karriere. Beides klappt selten. Und das halte ich selbst aus Arbeitgebersicht für extrem unfair und fernab jeder Gleichstellung.

Und zum anderen weil Frauen selten in der Lage sind, Konflikte auf der Arbeit sachlich auszutragen ohne alles mit einer negativen Stimmung lahmzulegen. Wenn eine Frau sich von einem Kollegen oder dem Chef ungerecht behandelt fühlt, muss darunter mitunter eine ganze Abteilung leiden. Die Konsequenz daraus ist, dass man ihnen durch dieses Verhalten oftmals Kompetenz abspricht, obwohl dies vielleicht gar nicht der Fall ist. 

 

Was würdet ihr uns raten um im Beruf nicht immer den Stempel „Frau- weniger belastbar, viel Geheule“ aufgedrückt zubekommen? 

Marcus: Jeder hat die Möglichkeit, sich im Beruf zu beweisen. Siehe die Frage darüber...

Tobias: Belastbarer sein und weniger jammern. Natürlich kann man das nicht verallgemeinern, aber tatsächlich beweist auch meine Berufspraxis, dass die Frustrationtoleranz vieler weiblicher Mitarbeiterinnen teils deutlich geringer ist als diejenige der Herren. Nachweisbar ist das bei uns sogar eindeutig durch den Krankenstand, der bei den Frauen zwar nicht ganz, aber nahezu doppelt so hoch ist wie bei den Männern. 

Max: Steht sachlich für das ein was ihr möchtet. Lernt euren Wert kennen und verteidigt diesen auch. Ich kann niemanden zu einer Führungskraft befördern, der nicht seine eigene Gehaltsverhandlung selbstbewusst führen kann. Wie soll man dann für ein ganzes Team einstehen? Das ist ein Problem was generell mehr Frauen betrifft, sie haben oft ein viel schlechteres Bild von sich als sie haben müssten. Mitunter sind sie sich selbst damit die grösste Karrierebremse.

 

Was nervt euch an uns so richtig? 

Marcus: Viel Lärm um nichts! Ihr braucht unfassbar viele Worte, um Dinge auf den Punkt zu bringen.

Tobias: Ausnahmen bestätigen jede Regel, aber sehr häufig: Unzuverlässigkeit und Unpünktlichkeit. 

Max: Das ihr zu oft der Meinung seid, in allem benachteiligt zu werden.

 

Was ist dran an der Wahrheit, dass ihr nur auf Arsch und Titten schaut, wenn ihr Frauen abcheckt? 

Marcus: Da man nicht direkt in die Seele schauen kann, muss sich der erste Eindruck nunmal auf die visuelle Präsentation konzentrieren. Die genannten Merkmale sind dabei sicher nicht uninteressant. Das Gesicht finde ich aber auch sehr wichtig.

Tobias: Brüste sind für mich absolut nebensächlich; wichtig sind vor allem Augen, Stimme, Popo. :-) 

Max: Wohin schaut ihr denn einem Mann beim ersten Blick? Es ist natürlich normal, dass man sich einen optischen Eindruck verschafft. Und ja, dazu gehören auch Brüste.

 

Wenn ihr mit uns schlaft, was denkt ihr wenn ihr unsere Celluite oder Pastaspeckröllchen seht? Stört euch das?

Marcus: Eigentlich nicht. Die Entscheidung, mit jemandem schlafen zu wollen ist da ja schon gefallen, das ändert daran auch nichts. 

Tobias: Da denke ich überhaupt nicht dran. Und es stört mich auch nicht.

Max: Nein! Das habe ich noch nie. Warum auch...

 

Was sollten wir ändern, wenn ihr euch etwas wünschen könntet? 

Marcus: Denkt weniger zwischen den Zeilen. 

Tobias: Das ist doch ganz individuell. Verallgemeinernd bezugnehmend auf obenstehende Antwort: Zuverlässiger sein. 

Max: Seid selbstbewusster und hört auf, ständig an euch rumzumäkeln. Eure Selbstzweifel sind unsexy! 

 

Gefällt es euch wenn eine Frau den ersten Schritt macht, oder wollt ihr tatsächlich immer der Jäger sein? 

Marcus: Jäger. 

Tobias: Mir gefällt es gut, wenn die Frau auch mal den ersten Schritt macht. Auf dieses Jäger- Ding lege ich gar keinen Wert. 

Max: Ich bin Jäger. Aber ich finde es sehr anziehend, wenn eine Frau signalisiert, dass sie gejagt werden will. Letztlich ist das doch alles ein Spiel...

 

Und zu guter Letzt: Warum lästert ihr über Familienväter, wenn ihr selber noch kinderlos seit?

Marcus: Leider ist es oft so, dass Menschen die Eltern geworden sind vergessen, dass sie eigentlich noch eigenständige Menschen mit eigenen Interessen sind. Das werden dann ganz plötzlich solche Erziehungsmaschinen, deren Horizont durch den Tellerrand ihres Sprosses begrenzt wird.

Tobias: Das habe ich nicht getan und werde ich auch nicht. Darüberhinaus bin ich es mittlerweile selbst. 

Max: Ich bin selber Familienvater und lästere ab und an noch heute. 

Ich finde es einfach befremdlich, wenn sich gestandene Männer in formlose Sklaven ihrer Kinder aber vor allem ihrer Frauen verwandeln und keine eigene Individualität mehr besitzen. Ein Leben mit Kindern ist das erfüllendste überhaupt. Und trotzdem sollte man seine eigenen Interessen nicht verraten. Schon allein um am Abend seinem Kind ein ausgeglichener und glücklicher Vater zu sein, der nicht irgendwann fremdgeht oder seine Mid-Life-Crisis auslebt, weil er aus dem Trott ausbricht, den er so eigentlich nie wollte.

 

Danke Jungs für eure ehrlichen Worte!

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Kommentare: 10
  • #1

    Manu (Freitag, 22 Juni 2018 11:38)

    Super interessant! Ich hätte nie gedacht, das Männer so locker in Bezug aufs äußerliche sind. Richtig gut fand ich den Bezug zum Selbstbewusstsein! Ich werde versuchen das jetzt zu beherzigen.

  • #2

    Anonym (Freitag, 22 Juni 2018 11:51)

    Ich hatte ehrlich keine hohen Erwartungen aber ich habe mich geirrt. Gerade der Punkt das unsere selbstzweifel unsexy sind passt wiegelt zu mir. Und ich glaube leider auch, das es der Grund ist warum wir uns oft als graue Maus fühlen.
    Aber ob Frauen wirklich weniger belastbar sind... kann ich so nicht zustimmen.

  • #3

    Tina (Freitag, 22 Juni 2018 12:05)

    Tolle Wochenserie! Und ehrliche Worte von den 3 Herren. Mich hat der Punkt beeindruckt, dass wir Frauen uns beruflich oft selbst im Weg stehen. Muss ich für mich selber leider so unterschreiben

  • #4

    Maria (Freitag, 22 Juni 2018 12:35)

    Eigentlich sollte ich gerade arbeiten. Aber ich musste einfach schnell heimlich im Büro mal reinlesen. Wirklich interessant und spannend. Ich freu mich schon auf die nächste folge

  • #5

    Julian (Freitag, 22 Juni 2018 13:27)

    „eure Selbstzweifel sind unsexy!“ den Spruch müsste es als Postkarte geben. Wie recht der Mann hat!

  • #6

    Tammy (Freitag, 22 Juni 2018 14:03)

    Wirklich spannend! Und danke für diese Ehrlichkeit!

  • #7

    Angela (Freitag, 22 Juni 2018 14:24)

    Super Beitrag! Und man hat direkt das Gefühl einmal wirklich ehrliche Antworten von den Herren der Schöpfung bekommen zu haben. Danke dafür

  • #8

    Ana (Freitag, 22 Juni 2018 15:34)

    „Eure Selbstzweifel sind unsexy“ ich feiere diesen Mann. Danke! Mit einem Satz auf dem Punkt gebracht

  • #9

    Wilia (Freitag, 22 Juni 2018 20:36)

    Toll! Bin begeistert von deinem Blog.

  • #10

    Julie (Freitag, 22 Juni 2018 21:46)

    Wow, da waren jetzt so einige Dinger dabei die ich so nie gedacht hätte.