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Anne Jacobs | Die Tuchvilla, 3tlg. Familiensaga

Die Trilogie von Anne Jacobs war mein erster Versuch einmal in eine andere Zeit einzutauchen. Bislang habe ich mich immer ein wenig davor gescheut, weil ich auch einfach nicht wusste wie es sich liest. Klar, die Klassiker von Goethe, Heine und Kafka die habe ich inhaliert und auch fernab der Schulbank gerne immer wieder gelesen. Aber bei der Trivialliteratur, bei der ich einfach nur entspannen möchte, auf Historienromane umzusteigen, dass war mir suspekt.

Nun bekam ich zu Weihnachten die ersten beiden Teile geschenkt und was soll ich sagen? Bevor das neue Jahr begann, waren beide Bücher gelesen und das waren zusammen knapp 1400 Seiten. Denn Jacobs schafft es, was zuletzt derart J.K. Rowling mit Harry Potter bei mir gelang. Ich habe sobald ich das Buch aufschlug, das Gefühl im Jahr 1913 angelangt zu sein. Der Schreibstil lädt zum träumen ein und ist derart blumig das man sich die Protagonisten so gut vorstellen kann, als wäre man selbst Teil der Geschichte. Nun aber genug der Lobhudelei, worum geht es denn nun?

„Die Tuchvilla“ ist eine Familiengeschichte um die reiche Fabrikantenfamilie Melzer. Die dreiteilige Saga erzählt mit einem feinen Spanunngsbogen das Leben des Waisenmädchen Marie und ihrer Verbindung zu den Melzers.

Die junge Waise Marie Hofgartner tritt nach schwerer Krankheit ihre neue Stelle als Küchenmädchen in der Tuchvilla der Industriellenfamilie Melzer an. Mit ihrer starken Charakter, ihrer Sturheit und dem Willen unabhängig zu sein macht sie sich nicht nur Freunde bei ihrer Arbeit. Trotzdem scheint Marie  unter dem Schutz von Alicia und Johann Melzer zu stehen. Während sie sich langsam in den  Haushalt einlebt, fiebern die Töchter des Hauses, Elisabeth und Katharina, der winterlichen Ballsaison entgegen. Paul, der Sohn und Erbe der Melzers, hat dagegen andere Sorgen: sein Berufswunsch stimmt leider nicht mit dem Wunsch seines Vaters überein, was zu Streitereien führt. Als er an Weihnachten nach Hause kommt und Marie begegnet, ist er von von ihr sehr angetan.

Von der ersten Seite an, habe ich mich gefühlt, als wäre ich Teil der Geschichte. Die Charaktere haben viele Ecken und Kanten haben und brillieren durch eine liebevolle und konsequente Umsetzung. Auch in den anderen beiden Büchern, die eine Fortsetzung der Geschichte erzählen, werden die Protagonisten weiter individualisiert. Man fiebert mit der Geschichte mit, erlebt die Leiden und Freuden der reichen Fabrikatenfamilie mit zu der mittlerweile auch Marie gehört mit. Auch die Dienerschaft, die sich meist in der Küche der Köchin Fanni Brunnenmayer aufhalten und austauschen bekommen ihre eigenen Geschichten. 

Ich habe selten eine so schöne, spannende und gut recherchierte Saga gelesen, die neben der Familie auch die geschichtlichen Ereignisse erzählt und mit einbindet. Man erlebt mit den Melzers den Krieg, die Nachkriegszeit und die Inflation, die Abschaffung des Kaiserreiches und die Bildung der Räteregierung.  Mich hat diese Buchreihe so fasziniert das ich mich bereits auf die neue Saga freue, die Anne Jacobs bereits begonnen hat herauszubringen: Das Gutshaus. 

 

erschienen: Die Tuchvilla Dezember 2014

          Die Töchter der Tuchvilla November 2015

          Das Erbe der Tuchvilla Dezember 2016

Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag

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