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Lois Pryce | Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren- was passierte als ich es trotzdem tat.

Ich verschlinge ja prinzipiell Reiseberichte... Zuletzt hatten es mir vor allem Bücher angetan, die sich um Afrika drehten. Das ist nämlich so ein absoluter Sehnsuchtsort. Auch wenn ich bereits einmal da war, kann ich nie genug davon bekommen mir die Storys von anderen Reisenden einzuverleiben.

Jetzt habe ich kurz vor weihnachten aber dieses Buch entdeckt und mir auf die Weihnachtswunschliste gesetzt. Ich weiss schon, es ist jetzt bereits April.... Aber... Ich hatte zuerst noch ein paar andere Bücher die ich gerne lesen wollte und ausserdem kam ich im Alltagsstress und Lerntrubel nicht ganz so oft dazu in Bücher zu schauen, die keine Paragrafen oder Wirtschaftsformeln enthalten...

Nun hab ich es aber gelesen und bin begeistert. 

Schon der Einband sprach mich total an und der Klappentext verhiess Abenteuer und fremde Welten. ich bin nämlich eigentlich nicht die Mutigste wenn es ums Reisen geht. Deshalb freut es mich immer, wenn ich zumindest im Buch spannende Reisegeschichten erleben kann. 

 

Und worum gehts denn jetzt?

 

Lois Pryce ist Britin und lebt in London. Eines Tages findet sie an Ihrem Motorrad einen Zettel: „Ich habe Ihr Motorrad gesehen und denke, Sie haben bestimmt schon viele Länder bereist. Aber ich frage mich, waren Sie auch schon in meinem Land, im Iran? Der Iran ist ein herrliches Land, und die Perser sind die gastfreundlichsten Menschen der Welt… Ich wünsche mir, dass Sie den Iran besuchen, um selbst zu sehen, wie es in meinem Land ist. WIR SIND KEINE TERRORISTEN!!! Bitte kommen Sie in meine Stadt, Schiraz. Sie gilt überall als die freundlichste Stadt Irans, sie ist die Stadt der Dichtkunst und des Weins!!!“ Ihr persischer Freund Habib

Von da an, ist es um Lois geschehen. Sie kann nicht aufhören an den Unbekannten und seine Einladung zu denken und trotz aller Warnungen ihres Umfeldes manifestiert sich Stück für Stück der Wunsch den Iran zu bereisen. Ihr ist selber klar, das dies der schiere Wahnsinn ist und an Unvernunft kaum zu überbieten sein kann. 

Lois weiss um die politischen Unruhen und vor allem, um das schwierige Verhältnis des Irans zu Großbritannien. Freunde und Familie sind in grosser Sorge als sie merken, das sie von ihrer fixen Idee nicht mehr abzubringen ist und beginnt diese in die Tat umzusetzen.

Nicht, dass die Genehmigung eines Visums einfach ist, geschweige denn, dass der Iran Frauen erlaubt, allein, mit dem Motorrad, durchs Land zu tingeln. Trotzdem: 2013 bricht Lois auf, fährt – in Kopftuch und Ganzkörperverhüllung – auf ihrem Bike quer durch die Türkei, steigt in Ankara in den Transasia-Express und nach gut tausend Kilometern, im Iran, in der Grenzstadt Täbriz, wieder aus. Von dort erkundet sie das Ufer des Kaspischen Meeres, fährt mit ihrem Motorrad durch die Wüste, über das Elburs- und Zagrosgebirge nach Teheran, dann nach Süden, nach Yazd, Isfahan und schließlich – nach Schiraz. Eine Reise von mehreren Tausend Kilometern. Schon bald stellt Lois fest: Obwohl die, denen sie begegnet, geprägt sind von den brutalen Restriktionen eines diktatorischen Systems, liebste Menschen immer wieder verschwinden oder nie wieder auftauchen, sind die Iraner unendlich lebensfroh, umschiffen mit großer Kreativität die Zwänge des Regimes: Alles ist möglich, lernt Lois. Man muss nur wissen wie und – über wen! Filme, Alkohol, Party, Sex, Drogen, Internet, Miniröcke, Schmuck und rot lackierte Fußnägel? Kein Problem! Die Menschen leben in parallelen Welten, einer öffentlichen, maximal restriktiven und einer privaten, freien – dem Gegenüber nahen, diskursiven. Das überrascht die Reisende vor allem: die Zuneigung, menschliche Nähe und Offenheit die ihr zuteil wird, die große Gastfreundschaft, die sie fasziniert und eine Liebe in ihr weckt. Sie denkt an Hossein, den Softwareentwickler, der sie zusammen mit seiner Frau mitten in der Nacht einlädt, bei ihm zu übernachten und der aus Kanada in den Iran zurückgekehrt ist. Trotz allem. Weil es kalt ist in Kanada, nicht nur was das Wetter angeht. Und allmählich beginnt Lois Pryce zu verstehen: „Ich war vorbereitet gewesen auf wütende Islamisten, die mich verachten würden (oder Schlimmeres), weil ich Britin/aus dem Westen/eine Ungläubige/eine Frau war – je nachdem. Stattdessen aber wurde ich von einer Woge der Menschlichkeit überrollt, die ich in dieser Form nirgends auf der Welt erlebt habe.“

Lois nimmt einen mit auf eine Reise voller komplizierter Widersprüche. Gemeinsam mit ihr bereist man ein Land, was von Moderne und Traditionsbewusstsein, religiösen und hedonistischen Gegensätzlichkeiten geprägt ist. Man erlebt förmlich mit, wie die Protagonistin während ihrer Reise verändert wird. Ihre Seele und ihr Herz, ihre Gedanken und Ansichten scheinen sich jeden Tag neu auszurichten und zu wachsen. 

Man bleibt am Ende mit einem Gefühl zurück, selbst ein grosses Abenteuer gewagt zu haben. Ich bewundere Lois für ihren Mut und ertappte mich oft dabei, die gleichen Vorurteile zu haben, mit denen sie auf die Reise ging. Am Ende bin ich neugierig auf diese Kultur und fühle mich ein Stück aufgeklärt. 

 

Selten hat ein Reisebericht so berührt, aufgewühlt und gefesselt. Ich glaube ich habe das Buch in 1,5 Tagen durchgehabt. 

Ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen, der Lust hat auf eine spannende Reise mitgenommen zu werden.

Ich glaube, es gibt nicht viele Bücher, in denen man von der Couch aus so grosse Abenteuer erleben kann. Und dabei auch noch ein wenig seine Vorurteile überprüfen kann. 

 

Chapeau Lois Pryce!

 

Erschienen:  2017

Verlag: DuMont Reiseverlag

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Kommentare: 2
  • #1

    Anja (Samstag, 14 April 2018 16:57)

    Hab auch schon vor dem Buch gestanden und überlegt ob ich es kaufe.
    Jetzt mache ich es gleich Montag. Klingt super. Genau das richtige für mich.

  • #2

    Anonym (Montag, 16 April 2018 01:00)

    Tolle Rezwnsion! Würde mir wünschen das du auf Instagram auch in den Storys über die Bücher die du vorstellst berichtest.