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{GASTBEITRAG} Warum meine Schwangerschaft nicht nur sorglose Freude war.

 

Die Autorin:

 

Meine Namensvettern Maria ist 31, und gelernte Industriekauffrau. Wir kennen uns nunmehr schon 20 Jahre und haben die Schulbank und die ersten Geheimnisse auf dem Gymnasium geteilt.

Ihr Herz schlägt für Autos, Hunde und die Familie und ich habe sie in all der zeit immer als eine sehr liebevolle und warmherzige Person erleben dürfen. Gerade deshalb freut mich, das sie hier eine Plattform bekommt, die eigenen sehr persönlichen Erlebnisse Ihrer ersten Schwangerschaft mit uns zu teilen.

Maria ist ebenso wie ich ein echtes Thüringer Mädchen und lebt gemeinsam mit ihrem Mann und dem Hundemädchen Bonny zusammen.

Seit Februar 2018 komlettiert der kleine Gaius Julius das Familienglück. So schön und perfekt das auch klingen mag, hat die (damals) werdende Mama eine Zeit grosser Herausforderungen und Sorgen hinter sich. Denn aufgrund dramatischer beruflicher Gegebenheiten hat Marias Schwangerschaft jedwede Leichtigkeit eingebüsst.

Lest hier, wie sie trotzdem meisterte was einen schon ohne Babybauch schlaflose Nächte bereiten würde. 

Ein starker Beitrag einer starken Frau.

 

Es ist geläufig, dass eine Schwangerschaft immer glücklich ist, immer positiv verläuft, die werdende Mama immer strahlt. Doch was ist mit jenen, denen das Schicksal anderes zugedacht hat?

Ich möchte mich mich hier zu meiner Schwangerschaft  äußern und auch mal anzusprechen, was wenige tun.

Zu einer Schwangerschaft gehören eben nicht nur eine Kugel und schöne Haut. Nein es gehören auch die Umstände dazu unter denen man schwanger wird.

Bei mir waren dies nicht gerade die perfektesten. Wenngleich das bei den wenigsten der Fall ist, jedoch sprechen auch hier nur die wenigsten darüber, weil erwartet wird, dass man sich freut und das blühende Leben ist. So wird oft der Schein gewahrt, der nicht der Realität entspricht.

Wir wollten eigentlich erst ein Kind, wenn ich mit der Weiterbildung fertig wäre, doch das Schicksal gedachte es bereits hier anders. Durch eine erst vor kurzem festgestellte Schilddrüsenunterfunktion, musste ich die Pille absetzen. Wobei mir der Arzt auch sagte, dass ich so schnell nicht schwanger würde, mit einer nicht eingestellten Schilddrüse. Doch es kam anders.

Im Mai ging unsere Firma insolvent. Und just an dem Tag bin ich schwanger geworden. Ich wusste es damals noch nicht. Erst 6 Wochen später viel der Test positiv aus und ich war guter Dinge, ich hatte ja als Schwangere Kündigungsschutz. Mir konnte also nichts passieren.

Von wegen. Ich wurde dennoch gekündigt. Ab sofort, plagten mich Geldsorgen. Den ganzen Tag drehte es sich nur darum und um Bewerbungen um wenigstens bis zum Mutterschutz noch Geld zu verdienen. Doch das wurde nichts. Niemand wollte mich einstellen. Und das, obwohl man mir meine Schwangerschaft bis zum 7. Monat nicht ansah. Diese Sorgen, beschäftigten mich über 2/3 meiner Schwangerschaft. Des Öfteren bekam ich zu hören, ich würde mich wohl nicht freuen schwanger zu sein…ich müsse mich doch glücklich schätzen. Ja verdammt, ich wollte mich freuen, ja verdammt ich wollte auch wie andere Muttis 1 Jahr zu Hause bleiben und meine Kugel genießen, die Zeit mit meinem Kind genießen… doch daraus wird nichts. Ich muss bereits nach 7 Monaten wieder arbeiten gehen, weil ich nur den Mindestsatz an Elterngeld wegen der Insolvenz und der Transfergesellschaft bekomme, und vor Allem weil ich meinem Kind etwas bieten möchte. Aber mit dieser Einstellung stoße ich bis heute auf taube Ohren. Damit habe ich mich abgefunden. Wenn das Kind erst da ist, lernt man ganz schnell sich ein dickes Fell anzueignen.

Gesundheitlich hatte ich auch eine interessante Schwangerschaft. Gefühlt 14 Tage nach Befruchtung gingen mir mächtig die Haare aus. Für mich als Frau mit langen Haaren der Horror. Dies ging bis zum 8. Monat. Büschelweise verlor ich, was ich an mir so sehr liebte. Ich entschied mich dann in der 7.SSW die Haare schulterlang schneiden zu lassen. Ich sag es ganz ehrlich, ich habe mich gehasst, als ich mich im Spiegel sah. Doch auch diese Erfahrung war wertvoll. So lernte ich, mich nicht nur auf mein Äußeres zu reduzieren. Denn eigentlich hatte ich doch ganz andere Sachen zu klären.

Meine Haut, wurde nicht wie bei anderen werdenden Muttis besser, sie wurde schlechter, ich hatte andauernd Pickel. Ich durfte mich die ersten 4 Monate mit Übergeben rumschlagen und auch die Müdigkeit liess mich nicht im Stich. Mein Gewicht war das einzige worüber ich glücklich war. Ich nahm bis zum letzten Tag der Schwangerschaft nur 9.5Kg zu.

Ich liebte es vor der Schwangerschaft zu baden, auch das war mir wegen Kreislaufproblemen verwehrt. Durch die Sorgen um das Geld, hatte ich in der 13.SSW auch noch Blutungen. Diese holten mich auf den Boden der Tatsachen. Ich musste in dem Moment entscheiden…wollte ich den kleinen Zwerg, oder wollte ich weiter rumheulen und einem Leben nachtrauern, was vorbei und nicht meine Zukunft war?

Ansonsten hatte ich 14 Tage vor der Entbindung einen kurzen Aufenthalt in der Klinik weil meine rechte Gesichtshälfte gelähmt war. Junior lag auf einem Nerv.

Alles in allem, aber bin ich froh über den Verlauf der Schwangerschaft. Denn die Erfahrung zeigt, dass es einen immer noch schlimmer treffen kann. Man lernt dankbar für das Gegebene zu sein, wenn es mal nicht nach Plan läuft. Dann schätzt man die Momente die positiv sind, umso mehr. Heute bin ich glücklich wie es gelaufen ist, auch mit der Insolvenz! Wer weiss wie die Schwangerschaft verlaufen wäre, wenn ich noch weiter in der Firma, unter dem Druck gearbeitet hätte. So kann ich ein neues Leben starten, mit meinem Mann, meinem kleinen Sohn und mit einem neuen Job!

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Kommentare: 3
  • #1

    Tschulia (Samstag, 14 April 2018 16:58)

    Super das man mal nicht nur die Sonnenseite präsentiert bekommt. Das liest sich doch realistischer als die schönfärberei sonst.
    Toller Beitrag

  • #2

    Leonie (Sonntag, 15 April 2018 00:39)

    Ich bin auch gerade schwanger und bei mir läufst auch nur mäßig. Gut zu hören, das ich damit nicht alleine bin/war.

  • #3

    Angelique (Sonntag, 15 April 2018 12:17)

    Unglaublich schöner Beitrag � Danke das du Frauen mut machst sich nicht schlecht zu fühlen nur weil sie sich nicht 9Monate nur aufs Kind gefreut haben Das Ängste und sorgen doch auch so überwiegen können und gesellschaftlich null akzeptiert werden finde ich auch schade Nicht jede Frau muss zwischen 20-30 Kinderkriegen und das dann auch noch geplant und mit ungeplanter Freude darstellen � DAnke für deinen Beitrag ich hoffe mehr zu lesen aus deiner Sicht Alles gute euch 4��