Warum ich als Single im Jahr 2018 verloren wäre.

Seit mehr als 10 Jahren bin ich nicht mehr Single gewesen. Und ich bin heute dankbarer denn je um diesen Umstand, denn ich würde nämlich schlichtweg als alte, verschrumpelte Jungfer enden. Ich habe einige Freundinnen, die sich derzeit auf dem erbarmungslosen Tinder Markt herumtreiben (müssen), um den potenziellen Vater ihrer Kinder zu finden. Oder zumindest erst einmal jemanden, mit dem man Sonntag Abend den Tatort schaut. Nun gibt es da diese eine Freundin, die schon eine ganze Weile Single ist. Und mir will nich in den Kopf gehen, warum. Weder sieht sie aus wie die Gouvernante Fräulein Rottenmaier, noch hat sie komische Hobbys oder einen IQ der unterhalb dem eines Pavians liegt. Ganz im Gegenteil! Miranda, wie wir sie hier jetzt mal nennen wollen, ist eine hübsche blonde Frau, die neben einem festen Wohnsitz und einem akademischen Abschluss sogar noch über Humor, Selbstbewusstsein und gutes Benehmen verfügt. 

Was läuft also schief?

Regelmässig berichtet mir Miranda von den Männern, die sie über Tinder Datet. Meist verabschieden sie sich nach einem Date oder verfallen ins Ghosting. Nicht nur, dass dies echt anstrengend sein muss, es nagt auch am eigenen Selbstwert. Was stimmt mit den Männern nicht mehr? Aus meiner behaglichen "Blase des vergebenseins" heraus lässt sich immer gut mit Ratschlägen um sich werfen. Der erste, den ich Miranda gab, war: Lerne Männer einfach wieder analog kennen. Ich käme nämlich nicht auf die Idee, mir eine App herunterzuladen und dann mit einem Fingerwisch darüber zu entscheiden, wer meine Huldigung erfährt. Was ist, wenn ich durch mein Netflix Engagement gerade so abgelenkt bin, dass ich aus Versehen meine grosse Liebe wegwischen würde? Einmal nicht aufgepasst und schwups ist Mr. Big für immer in den Untiefen des Tinderalgorithmus verschwunden. Nein, ich wäre aufgeschmissen. Viel zu romantisch sind meine Vorstellungen über das Verlieben und Daten. Ich glaube an die Liebe auf den ersten Blick, an dieses elektrisierende Knistern in der Luft, wenn sich die Blicke zweier Menschen treffen. Ich möchte einen Mann erst sehen bevor ich mich entscheide, mit ihm essen zu gehen oder im  Kino die Popcorntüte zu Teilen. Ich möchte nicht Russisch Roulette spielen, ob da wirklich der Hübsche Typ vom Tinder Foto kommt oder doch eher der Frankenstein für arme. Ich weiss zum Einen gerne, worauf ich mich einlasse, dazu gehört für mich aber erst einmal jemanden zu finden, der mit mir auf einer Wellenlänge liegt und mein Herz zum Klopfen bringt. Zum anderen geht einer Verabredung erst einmal das tagelange grübeln, ob er gleich empfindet, das sich gegenseitig umschleichen und flirten und die Hoffnung darauf, dass er nach einem Date fragt, voraus. Immerhin bin ich nicht so antiquiert, dass ich nicht auch selber fragen würde. Aber ich möchte nicht erst bei einem Date herausfinden müssen, ob "der jetzt in Frage kommt". Vielmehr ist das bereits der Punkt, an dem ich Nächte lang wach gelegen sein möchte, weil meine Gedanken um den gleichen Mann kreisen. Ein Date ist für mich so viel mehr als der Abgleich von Lebenseinstellungen, Hobbys und Ansichten, und die Antwort auf die Frage, ob die Angaben und Erwartungen des Tinder Matches mit der Realität mithalten können.  Es ist die süße Verheissung auf etwas Grosses. Wenn ich mich auf eine Verabredung einliess, dann war da bereits schon dieses Kribbeln und all die Unsicherheiten, die damit einhergehen. Welches Kleid ziehe ich bloss an, damit er mich attraktiv aber nicht wie die Straßendirne von nebenan findet? Sind Smokey Eyes vielleicht doch ein bisschen viel für das Erste date? Ob ich mir heute Abend wohl Pasta bestellen kann, oder ob er mich dann für verfressen hält? All diese Fragen möchte ich mir stellen dürfen bevor ein Mann mit mir ausgeht. Ich möchte dies nicht 2-3 mal die Woche nach einem anstrengenden Arbeitstag tun müssen, weil ich da jemanden "gematcht" habe. Eine Verabredung würde für mich zu etwas verkommen, was mit meiner romantischen Vorstellung von Liebe so gar nichts mehr zu tun hätte. Wozu sollte ich mich grossartig herausputzen für einen Mann, von dem ich ausser dem selbstoptimierten Profil auf Tinder bestenfalls den Instagram Account kenne?

Ich weiss, dass ich im Jahre 2018 mit der Einstellung alt und einsam sterben würde. Gott bewahre, das mich mr. Big jemals verlässt. Aber ich stehe unabdingbar für die romantische Liebe, das analoge Kennenlernen und das Flirten da draussen im echten Leben ein. Ich glaube noch immer daran, dass die besten Männer da draussen beim Bäcker, beim Ausflug ins Grüne oder bei der wöchentlichen Date-Night in der Bar mit der besten Freundin warten. Ich glaube, wenn wir ein wenig öfter mit offenen Augen und mit offenen Herzen durchs Leben gehen würden, wenn wir das schüchterne Lächeln eines Unbekannten nicht mehr als "seltsam" abtun, dann sind wir wieder auf dem richtigen Weg zu ein bisschen mehr Romantik.

 

Seid Romantisch!

Eure Münchner Landpomeranze

 

P.S.: Der Ehrlichkeit halber sollte ich erwähnen, dass meine Vorstellungen von Romantik von "Traumschiff" und Rosamunde Pilcher geprägt sind. Ich habe freiwillig diese Schmonzetten mit meiner Oma gesehen und geschmachtet. Wahrscheinlich gibt es meine Vorstellungen von Romantik also gar nicht. Dann möchte ich mich an dieser Stelle bei den Drehbuchschreibern bedanken. Denn lieber glaube ich an die romantische Liebe, als an einen Tinder Algorithmus.  

 


Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Julia (Donnerstag, 05 April 2018 14:08)

    Wie treffend! Ich musste durchgängig lachen, wobei es eigentlich wahr ist. Nur beim Traumschiff bin ich raus.

  • #2

    Anne (Freitag, 06 April 2018 10:19)

    Toller Blogbeitrag. Du könntest die Münchner Carrie Bradshaw werden. :-) Freu mich auf mehr