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Warum eine Schwangerschaft nicht nur guter Hoffnung ist.

Als ich 2017 schwanger war, brach eine Welle an nett gemeinten Ratschlägen, freundlich formulierten Gemeinheiten und Übergriffigkeiten über mich herein. Es schien für andere vollkommen normal zu sein, eine fremde schwangere Frau anzufassen und ihr ungefragt die Meinung über Größe und Form des Bauches mitzuteilen. ["Sicher wurde Ihr Geburtstermin falsch berechnet."

"Werden es bestimmt keine Zwillinge?"

"Haben Sie schon mal einen Arzt befragt, warum ihr Bauch so hoch sitzt?"]

Kaum hat man dies irgendwie verwunden und sich bei Freunden über die Unmöglichkeit der Menschheit aufgeregt, kam die nächste Herausforderung. "Mal schnell bei Instagram andere Schwangerschaften verfolgen" ist keine gute Idee. 

Eigentlich sollte es den Nutzen verfolgen, mich aufzuheitern, Leid und Weh mit anderen zu teilen, und zu sehen das es anderen ähnlich geht. 

Aber ich schien die einzige zu sein, die sich wie ein unbeweglicher Wal fühlte, sich 7 Monate mit Hyperemesis Gravidarium die Seele aus dem Leib kot*** und dabei nicht aussah, als wäre gerade das blühende Leben vorbeimarschiert. 

Ich habe meine Schwangerschaft genossen und geliebt. Ich habe aber auch noch nie eine Zeit durchlebt, die geprägt war von soviel Veränderung, Verunsicherung und Gemeinheiten fremder Menschen. 

Ich verstehe nicht, warum man eine Schwangerschaft, das natürlichste der Welt, zu etwas macht, was einem Wettkampf gleicht. 

Nur wer bis zur 40. Woche noch agil und leichtfüßig durch die Welt schwebt ist keine schlechte Mutter. Allerdings muss man auch vorsichtig mit vollkommen alltäglichen Dingen wie Fahrrad fahren, Konzertbesucher oder das tragen der heissgeliebten High Heels sein. Da wird ungefragt kommentiert, kritisiert und schwarz gemalt. Aus der guten Hoffnung wird nicht selten Verzweiflung bei soviel ungewollter Verunsicherung. Bevor das Kind überhaupt da ist, ist der Stempel "Rabenmutter" schon verteilt. Meist von völlig fremden, oft kinderlosen, Menschen.

Ich habe mein Kind, wie jede Mutter, geliebt und beschützt. 

Trotzdem kam es zu früh auf die Welt. Trotzdem verstarb es. 

Wer glaubt, das man nicht jeden Tag die Fehler bei sich sucht, irrt. 

Deshalb brauche ich keine Kommentare darüber, was ich falsch gemacht habe. 

Was ich mir wünsche ist Nachsicht. 

Seid respektvoll und behandelt andere Menschen gut. Urteilt nicht über Leben die ihr nicht kennt. 

Ich wünsche mir mehr Realität auf Instagram, mehr ehrliche Worte und mehr Nächstenliebe im echten Leben.

 

Seid gut zu euch und zueinander. 

Eure Münchner Landpomeranze.

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Kommentare: 3
  • #1

    Tammy (Sonntag, 01 April 2018 19:19)

    So guter Text.. Genau so ist es nämlich. Ich drück dich❤️

  • #2

    Anja (Mittwoch, 16 Mai 2018 20:28)

    Genau so ist es�

  • #3

    Denise (poca_dc) (Mittwoch, 08 August 2018 14:53)

    #momunity ❤