Warum ein bisschen mehr Selbstliebe das schönste Kleid ist, das man tragen kann.

Der Mann, mit dem ich vorhabe den Rest meines Lebens zu verbringen, hasst gestellte Fotos.

Freudestrahlend zeigte er mir jüngst ein Bild von mir, das ihm richtig gut zu gefallen schien. 

Sobald mein Blick darauf fiel, ratterte mein Gehirn vor sich hin:

"Warum fotografiert er mein DoppelKinn?"

"Wirken meine Augen nicht ein bisschen klein?"

"Na toll. Total unvorteilhaft."

Wenn ich meiner Empörung ihm gegenüber Luft mache, Ernte ich in der Regel neben einem Schulterzucken nur ein "Ich finde es schön".

Was stimmt mit diesem Mann nicht?

Ihm scheint es nicht wichtig zu sein, das ich auf dem Foto weder perfekt ausgeleuchtet bin, noch das der optimale Hintergrund meine Vorzüge betont. Viel schlimmer ist aber noch: Ihm scheint es schlichtweg egal zu sein, wie ich auf seinen spontanen Schnappschüssen aussehe. Warum sieht er denn nicht was ich sehe?

Mittlerweile glaube ich, das er sehr wohl wahrnimmt das ich nicht perfekt bin. Es kümmert ihn nur einfach nicht. 

Er braucht keine gestellten Fotos, Tonnen von Filtern und Facetunning um mich zu lieben. Er mag Dinge an mir, die für mich keinen zweiten Blick wert sind. 

Die Frage sollte also vielmehr lauten:Was stimmt nicht mit mir?

Ich bin derart eingenommen von den hochglanzpolierten Social- media- Fotos, die alle ganz spontan entstanden sind, das ich selber gar nicht mehr bereit bin, mich einfach nur mit den liebevollen Augen zu sehen, mit denen ich zum Beispiel die Fotos meiner Freunde betrachte. 

Ich bin immer die erste, die mit Unverständnis reagiert, wenn eine gute Freundin mit Hartnäckigkeit darauf beharrt nicht fotogen zu sein. Dabei finde ich sie einfach hübsch. Sei hat tolle blaue Augen und ein so herzliches Lachen, dass man zwingend mitlachen möchte. Und trotzdem sieht sie nur das vermeintlich negative.

Warum empfinde ich also das Verhalten meiner Freundin als selbstverachtend, gehe mit mit selbst jedoch nicht liebevoller um?

Ich glaube, wenn man sich bewusst wird, das echtes Leben aus zu grossen Nasen, verwischter Wimperntusche, Falten und Augenringen besteht, dann ist man auf dem richtigen Weg.

Ein bisschen mehr Selbstliebe würde mir also gut tun.

Denn so erbarmungslos wie ich mit mir selbst ins Gericht gehe, würde ich niemals über andere Menschen urteilen. Hätte ich meine Freunde jemals so behandelt wie mich selbst, hätte ich mittlerweile wohl keine sozialen Kontakte mehr. 

Warum ist man zu sich selbst also derart ungnädig?

Ich glaube fest daran, dass Selbstliebe und ein gesundes Selbstbewusstsein das schönste Kleid sind, das man tragen kann. 

 

 

Seid gut zu euch. 

Eure Münchner Landpomeranze

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Kommentare: 2
  • #1

    Kristin (Samstag, 31 März 2018 08:26)

    Schön geschrieben und so wahr.

  • #2

    Dedi (Donnerstag, 26 Juli 2018 00:19)

    Vorbild!