Warum mein 30. Geburtstag mich traurig machte.

Als ich vergangenes Jahr 30 Jahre alt wurde, war das ein Riesen Ding für mich. Bereits Wochen vorher verfiel ich das erste mal in meinem Leben in eine grüblerische Stimmung, die mir latent suggerierte: "Du hast bisher nichts erreicht. Und bald bist du alt." Ich bin für gewöhnlich recht realistisch veranlagt und weiss die Dinge eigentlich so einzuordnen, wie sie auch sind. Aber diese Zahl schien mich in den Grundfesten zu erschüttern.

Warum eigentlich?

Ein Jahr später kann ich mir ein bisschen besser erklären, was damals los war.

Eins vorweg: die 3 vorne stehen zu haben fühlt sich auch heute nicht immer gut an. 

Ich glaube, ein Grossteil des Problems liegt in meinem Ehrgeiz. Ich war schon immer sehr zielstrebig und beharrlich. Meiner Meinung nach lässt sich fast alles mit einem langen Atem und (Selbst-) Disziplin verwirklichen. Und doch habe ich anscheinend bei meiner eigenen Lebensplanung versagt. Wenn ich auf mein jüngeres Ich zurückblicke, dann war klar, das ich mit 30 verheiratet bin, das erste Kind schon da ist und wahrscheinlich im Eigenheim das krabbeln lernt. Beruflich wollte ich in diesem Alter bereits selbstständig sein und mich mit einem eigenen Restaurant verwirklicht haben.

Und nun war die 30 da. Und was hatte ich erreicht?

Nun, ich war zumindest verheiratet. Kinder, Eigenheim, Selbstständigkeit? Fehlanzeige. Ich dümpelte in meiner eigenen Mittelmässigkeit vor mich hin und wurde mir dessen angesichts des bevorstehenden Geburtstages auch erst so richtig bewusst. Ich war erst vor 3,5 Jahren aus dem beschaulichen Wolfsburg, wo ich mit meinem Mann seit der Hochzeit lebte, in die Millionenstadt München gezogen. Im ersten Jahr in München führte ich noch dazu das erste Mal in meinem Leben eine Fernbeziehung. Weil wir noch nicht wussten, ob das Projekt München auch eine Langzeitliebe wird, entschieden wir uns damals erst einmal dafür, dass ich alleine ging, die Probezeit hinter mich brachte und er vorerst in seinem alten Job in Wolfsburg weiter arbeitete. Nun ging alles gut, auch wenn mein Job schon lange nicht mehr der gleiche ist, und wir wagten doch irgendwann den Schritt und zogen ganz her. 

Nun war das zwar eine  grosse Sache für mich, aber meinen eigentlichen Lebensplänen, Kind, Haus, Karriere war ich keinen Schritt näher. Ich hockte in einer Stadtwohnung und war gefrustet. So hatte ich mir das nach meinem Studium nicht vorgestellt. 

Jetzt, ein Jahre später, kann ich meinen 30er Blues ein wenig entspannter sehen. Weil ich nach wie vor glaube, dass Ziele und Beharrlichkeit die wichtigsten Formeln im Leben sind, um erfolgreich zu sein. Sei es auf beruflicher oder privater Ebene. ich glaube aber auch, dass man gesteckte Ziele ab und an überprüfen sollte. Sind die Ziele, die ich mit Anfang 20 hatte, noch die richtigen? Oder halte ich mich hier an etwas fest, was eigentlich schon lange nicht mehr relevant ist? Manchmal ist das Schwerste, seine Träume vielleicht auch zu revidieren, umzuschreiben oder neu aufzusetzen.

Jetzt bin ich 31. Formal gesehen bin ich meinen Zielen keinen Deut näher gekommen. 

Ich wohne immer noch in einer Stadtwohnung und aus dem Traum vom eigenen Kind ist im letzten Jahr der Albtraum einer jeden Mutter geworden. 

Ich bin nach wie vor nicht selbstständig und werde dies auch nicht innerhalb der nächsten 6 Monate verwirklichen können. 

Aber ich habe in den vergangenen Monaten beruflich die Weichen stellen können und privat: Nun ja... Gut Ding will eben Weile haben. Und bis dahin kann ich ein wenig mehr an dem arbeiten, was mir als Charaktereigenschaft vollkommen abgeht, wenn es um mich selbst geht: Gelassenheit. 

Ich bin nämlich schrecklich schlecht darin, mich auf Dinge einfach einzulassen, sie auf mich zukommen zu lasen. Bei mir muss alles geplant werden. Wohin das führen kann, nämlich am ende in einen dicken 30er Blues, haben wir ja gesehen.

Deshalb: Lets start the Dirty 30´s. Vor mir liegt ein fast volles Jahrzehnt voller Möglichkeiten. Und ich bin fest entschlossen, das beste rauszuholen. 

 

Seid gut zu euch.

Eure Münchner Landpomeranze.


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Kommentare: 2
  • #1

    Andrea (Sonntag, 08 April 2018 22:17)

    Mir steht die große drei dieses Jahr auch bevor und ich habe schon mächtig Bammel, dein Artikel macht mut und ist so herrlich witzig dabei.
    Weiter so!

  • #2

    Juliane (Mittwoch, 16 Mai 2018 20:25)

    Mir steht die 3 nächsten Monat bevor und ich mache mir die gleichen Gedanken wie du.